ist aber außer Stande, zu beurtheilen, ob diese Werke die Ausgeburteneines zerrütteten Gehirns sind und welcher Art die Geistesstörung ist, diesich in ihnen ausdrückt.
Ich habe es nun unternommen, die Moderichtnngen in Kunst undSchriftthum möglichst nach Ihrer Methode zu untersuchen und den Nach«weis zu führen, daß sie ihren Ursprung in der Entartung ihrer Urheber-Haben und daß ihre Bewunderer für Kundgebungen des stärker oder-schwächer ausgesprochenen moralischen Irrsinns, des Schwachsinns undder Verrücktheit schwärmen.
So ist dieses Buch ein Versuch wirklich wissenschaftlicher Kritik,die ein Werk nicht nach den sehr zufälligen, grillenhaften und mit demTemperament und der Stimmung des einzelnen Lesers wechselndenEmotionen bcnrtheilt, welche cs erweckt, sondern nach den psychophysiologischenElementen, aus denen es entstanden ist, und es wagt zugleich eine Lückeausfüllen zu wollen, die in dem mächtigen Bau Ihres Systems nochbesteht.
Ueber die Folgen, welche mein Beginnen für mich haben wird,bin ich nicht im Zweifel. Es ist heute ungefährlich, die Kirche anzu-grcifen, denn sie verfügt nicht mehr über Scheiterhaufen; auch gegenHerrscher und Regierung zu schreiben ist wenig bedenklich, denn schlimmstcn-salts wird man eingesperrt und hat als Entschädigung den Ruhm derBlutzeugenschaft. Uebel aber ist das Schicksal desjenigen, der sich unter-fängt, ästhetische Moden als Formen geistiger Zersetzung zu kennzeichnen.Der getroffene Schriftsteller oder Künstler verzeiht es nie, daß man ihnals Geisteskranken oder Erfolg-Schwindler erkannt hat; die subjektivschwatzende Kritik ist wüthend, daß man ihr nachweist, wie seicht undunzuständig sic ist oder wie feig sie mit dem Strome schwimmt; und selbstdas Publikum ist geärgert, wenn es cinsehen muß, daß cs hinter Narren,Zahnbrechern und Jahrmarkt-Rufern wie hinter Propheten hergelaufenist. Die Graphomanen und ihre kritische Leibwache beherrschen aber un-gefähr die ganze Presse und besitzen in dieser das Marterwerkzeug, umden unbequemen Spielverderber bis an sein Lebensende indianischzu foltern.
Doch die Gefahr, der er sich aussetzt, kann einen Mann nicht ab-halten, das zu thun, was er als seine Pflicht erkannt hat. Wenn maneine wissenschaftliche Wahrheit gefunden hat, schuldet man sie der Mensch-heit und darf sie ihr nicht vorenthalten. Aber man kann es nicht ein-mal, ebensowenig wie das Weib sich willkürlich enthalten kann, die ge-reifte Frucht seines Leibes zu gebären.
Ohne mich im Entferntesten mit Ihnen, einer der stolM engeisti gen Erscheinung en des Jabrkmnderts. vergleichen zu wollen, därfichmir doch die lächelnde Ruhe zum Beispiel nehmen, mit der Sie IhrenWeg gehen, ohne sich um Verkennung, Begeiferung und Unverstand zukümmern.
Bleiben Sie weiter gewogen, hochgeehrter und iheurer Meister,Ihrem dankbar ergebenen
War Ilordau.