II. Therapie.
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Trieb allmächtig sein soll? Man denke doch an den GrasenMuffat in Zolas Nana: „Manchmal war er ein Hund. Siewarf ihm ihr parfümirtes Taschentuch in die Ecke und er mußtenachlaufen, auf allen Vieren, um es mit den Zähnen zu holen.,Bring, Cäsar, na warte, du Faulpelz! Schön, Cäsar, artig!Aufwarten!' Und er liebte die Erniedrigung, er schwelgte imGenuß, ein Vieh zu sein, er wollte noch tiefer sinken, er schrie:,Schlage doch zu! Wau! Wau! Ich bin toll! Hau mich doch!"'Das ist die Freiheit eines „Emanzipirten" im Sinne der Ent-arteten! Er darf ein Hund sein, wenn sein toll gewordenerTrieb ihm bestehlt, ein Hund zu sein! Und wenn der „Eman-zipirte" Ravachol heißt und sein Trieb zum Verbrechen ihmbefiehlt, ein Haus mit Dynamit in die Luft zu sprengen, sohat der friedliche Bürger, der in diesem Hause schläft, dieFreiheit, aufzusliegen und als blutiger Regen von Fleischfetzenund Knochensplittern wieder zur Erde zu gelangen. Fortschrittist nur durch Steigerung der Erkenntniß möglich, diese aber istdie Arbeit des Bewußtseins und Urtheils, nicht des Triebes.Den Gang des Fortschrittes kennzeichnet die Erweiterung desBewußtseins und die Einschränkung des Unbewußten; dieKräftigung des Willens und die Schwächung der Zwangs-antriebe; die Erhöhung der Selbstverantwortliäikeit und dieUnterdrückung der rücksichtslosen Selbstsucht. Wer den Triebzum Herrn des Menschen macht, der will nicht Freiheit, sondernschmachvollste, niedrigste Sklaverei, Knechtung der Einsicht desIndividuums durch seine thörichtsten und selbstzerstörendstenBegierden, Knechtung des brünstigen Mannes durch die wahn-sinnigste Laune einer Freudendirne, Knechtung des Volkes durcheinige stärkere und gewaltthätige Persönlichkeiten. Und wer dieLust über die Zucht und den Zwangsantrieb über die Selbst-zügelung setzt, der will nicht den Fortschritt, sondern die Um-kehr zur ältesten Thierheit.
Umkehr, Rückfall, das ist überhaupt das wirkliche Ideal
Nord au, Entartung. II. go