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2 (1893)
Entstehung
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II. Therapie.

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gane. Sie ist dieselbe in Krankheit und Gesundheit. Nur ist siemanchmal gesteigert und manchmal verlangsamt und wenn dieseAbweichung von der Regel den Zwecken des Gesammt-Organismusschädlich ist, so nennen wir sie Krankheit. Da es sich bei dieserum ein Mehr oder Weniger handelt, so ist ihre Grenze auchnicht scharf zu ziehen. Aeußerste Fälle erkennt man natürlichleicht. Wer aber will mit Sicherheit bestimmen, an welchemgenauen Punkte die Abweichung von der Norm, das heißt derGesundheit, beginnt? Das wahnsinnige Gehirn arbeitet nachganz denselben Gesetzen wie das vernünftige, nur gehorcht esdiesen Gesetzen unvollkommen oder übertrieben. Bei jedemMenschen besteht z. B. die Neigung, Sinneseiudrücke falsch zudeuten. Krankhaft ist sie nur, wenn sie außerordentlich starkanftritt. Der Reisende im Bahnwagen glaubt zu bemerken,daß die Landschaft an ihm vorbeijagt, während er stillsitzt.Der Verfolguugswahnsinnige bildet sich ein, daß man ihm übleGerüche zubläst, oder elektrische Ströme auf ihn schleudert.Beide Vorstellungen beruhen auf Sinnestäuschungen. Sindbeide darum Anzeichen der Verrücktheit? Der Reisende und derParanoiker begehen denselben Denkfehler und trotzdem ist jenervöllig geistesgesund und dieser geisteskrank. Man mag alsoruhig feststellen, daß gewisse Eigenthümlichkeiten, wie starkeEmotivität, der Hang zum Symbolismus, das Vorherrschender Einbildungskraft, bei allen echten Künstlern anzutreffen sind.Deshalb brauchen doch noch lange nicht alle Entartete zu sein.Erst die Uebertreibung dieser Eigenthümlichkeiten macht sie zurKrankheit. Der einzige Schluß, den ihr regelmäßiges Auf-treten bei den Künstlern rechtfertigen würde, wäre der, daß dieKunst, ohne schon eine eigentliche Krankheit des Menschengeistcszu sein, doch eine beginnende, leise Abweichung von der vollenGesundheit ist, und gegen diesen Schluß würde ich mich nichtauflehnen, umso weniger, als er den eigentlichen Entarteten