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Das zwanzigste Jahrhundert.
prüft, zu dem Ergebniß führen sollte, daß alle Kunstthätigkeitkrankhaft ist, so würde das noch immer nichts gegen die Richtigkeitmeiner kritischen Methode beweisen. Es wäre nur eine neueErkenntniß gewonnen. Sie würde zwar eine holde Täuschungzerstören und Vielen schmerzlich sein, aber die Wissenschaft darfnicht vor der Erwägung stehen bleiben, daß ihre Ergebnisseangenehme Jrrthümer vernichten und die Bequemen aus behag-lichen Denkgewohnheiten aufscheuchen. Der Glaube ist wohlnoch eine andere Majestät als die Kunst, er hat der Menschheitauf einer gewissen Stufe ihrer Entwickelung noch andere Dienstegeleistet, sie anders getröstet und erhoben, ihr andere Idealegegeben und sie sittlich anders gefördert wie selbst die größtenkünstlerischen Genies; die Wissenschaft hat dennoch nicht ge-zögert, den Glauben für einen subjektiven Irrthnm des Menschenzu erklären, sie würde also noch viel weniger Bedenken tragen,die Kunst als etwas Krankhaftes zu bezeichnen, wenn die That-sachen sie hiervon überzeugen würden. Ueberdies braucht nichtalles Krankhafte häßlich und schädlich zu sein. Der Auswurseines Lungenleidenden ist ganz so eine krankhafte Absonderungwie die Perle. Macht es die Perle häßlicher, macht es denAuswurf schöner, daß beide Stoffe denselben Ursprung haben?Das Wurstgift ist die Ausscheidung einer Bakterie, der Aethyl-Alkohol die eines Hefepilzes. Bedingt die gleiche Entstehungs-weise den gleichen Genußwerth einer vergifteten Wurst und einesGlases alten Rheinweins? Es würde durchaus nichts für Tolstois„Kreutzersonate" oder Ibsens „Nosmersholm" beweisen, wennanerkannt werden müßte, daß Goethes „Werther" an unver-nünftigem Erotismus leidet und die „Göttliche Komödie" oder„Faust" symbolische Dichtungen sind. Aber der ganze Einwandgeht ja aus einem Verkennen der einfachsten biologischen Tat-sachen hervor. Zwischen Krankheit und Gesundheit besteht keinWesens-, sondern nur ein Mengen-Unterschied. Es gibt nur eineArt von Lebensthätigkeit der Zellen und Zelleusysteme oder Or-