I. Prognose.
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in reichen Neimen vortragen werden? Wohlgemcrkt: Wissen-schaft wäre selbst das noch nicht, sondern nur mechanische Be-schäftigung mit dem äußerlichen Apparat der Wissenschaft.Aber sicherlich wird selbst das nicht geschehen. In der Ver-gangenheit war eine Verwechselung von Kunst und Wissenschaftmöglich. In der Zukunft ist dies undenkbar. Zu einer solchenVerquickung hat sich die menschliche Geistesthütigkeit schon zu hochentwickelt. Kunst und Dichtung haben Emotion, Wissenschafthat Erkenntniß zum Inhalt. Jene sind subjektiv, diese ist ob-jektiv. Jene arbeiten mit der Einbildungskraft, das heißt dervon der Emotion gelenkten Jdcenassoziation, diese arbeitet mitder Beobachtung, das heißt der Jdcenassoziation, welche durchSinneseindrücke bestimmt wird, deren Erwerbung und Ver-stärkung die Aufmerksamkeit besorgt. Gebiete, Stoffe und Me-thoden der Kunst und der Wissenschaft sind so verschieden,theilwcise auch so gegensätzlich, daß ihre Dnrcheinanderwirrnngeinen Rückschritt» um Jahrtausende bedeuten würde. Richtigist nur eins: die Bilder, die aus der alten anthropomorphischenAnschauung hervorgewachsen sind, die Anspielungen auf ver-schollene Zustände und Vorstellungen, die Fritz Manthner„todte Symbole" genannt hat, all das wird aus der Kunstverschwinden. Ich glaube, es wird im 20. Jahrhundert keinemMaler mehr einfallen, Bilder wie Guido Renis Aurora imRospigliosischen Palaste zu malen, und ein Dichter wird Ge-lächter erregen, wenn er den Mond voll Liebesgrams in dasKämmerlein eines hübschen Mädchens blicken lassen wird. DerKünstler ist ein Kind seiner Zeit, die herrschende Weltanschauungist auch die seine und bei all seiner Neigung zum Atavismussind seine Ausdrucksmittel doch die, welche ihm die zeitgenössischeBildung an die Hand gibt. Grobe Verstöße gegen die allbe-kannten Lehren der Wissenschaft wird die Kunst künftig gewißmehr vermeiden als bisher, aber Wissenschaft wird sie nicht sein.
Die Lustgefühle, die der Mensch von der Kunst empfängt,