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Das zwanzigste Jahrhundert.
läßt und schlicht erzählt, was sie da erlebt hat^), ein wackererMann mit gesundem Sinn und warmem Herzen wie Göhre,der nach eigener Erfahrung das Dasein eines Fabrikarbeitersschildert^, auch ein Gerhard Hauptmann mit den beobachtetenEinzelheiten der „Weber" thun mehr für das Proletariat alsalle Zolas mit ihrem leeren Theoretisiren in „Oerminul" und„I^i-ALut", als alle Morris' mit ihren hochtrabenden Reime-reien über den edeln Arbeiter, der unter ihrer Feder zu einemZerrbild des vielbelachten „edeln Wilden" der ältern Urwald-Romantiker geworden ist, und namentlich als alle die Sudler,die in ihren Quark sozialistische Redensarten als „moderne"Würze einstreuen. „Onkel Toms Hütte" der Beecher-Stowehat nicht gegen die Sklaverei gepredigt und keine Vorschlägezu ihrer Abschaffung zum Besten gegeben. Aber das Buch hatMillionen weinen und die Negersklaverei als eine SchmachAmerikas empfinden gemacht und dadurch zur Negerbefreiungwesentlich beigetragen. Die Kunst und Dichtung kann für dieProletarier das thun, was Frau Beecher-Stowe für die Negerder Vereinigten Staaten gethan hat. Mehr kann und wird sienicht thun.
Nicht selten stößt man gegenwärtig auf die Phrase: „DieKunst und Dichtung der Zukunft wird wissenschaftlich sein."Diejenigen, welche dies sagen, machen ungemein stolze Mienenund halten sich unverkennbar für überaus fortschrittlich und„modern". Ich frage mich aber vergebens, was wohl derSinn jener Worte sein mag. Bilden sich die Leutchen, die esmit der Wissenschaft so gut meinen, etwa ein, daß die Bild-hauer künftig Mikroskope aus Marmor aushauen, die Malerden Blutumlauf malen, die Dichter die Lehrsätze des Euklid
') Frau Or. Minna Wettstein-Adelt, 3 V- Monate Fabrikarbeiterin.Eine praktische Studie. Zweite Auflage. Berlin, 1892.
4 Kand. Paul Göhre, Drei Monate Fabrikarbeiter und Hand-werksbursche. Eine praktische Studie, l.— iO. Tausend. Leipzig, 1892