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Der Realismus.
mehr möglich wurde. Das wuchernde Aufschießen läppischer,knabenhafter und roher Machwerke ist das Ergebniß dieserPflege der Unfähigkeit und Unreife und dieser Prämie auf dieGemeinheit. Ich möchte die zerstörende Wirkung der Bandenur an einem Falle Nachweisen. Man erinnert sich vielleichtdes Darmstädter Gymnasiasten, der unter dem DecknamenHans G. Ludwigs schrieb und sich 1892 im Alter von17 Jahren tödtete. Er hatte damals schon seit zwei Jahrenin den amtlichen Zeitschriften Jungdeutschlands realistische Geniesbeweihräuchert und idiotische Novellen veröffentlicht und er be-ging Selbstmord, weil ihm, wie er schrieb, „dieses verfluchteWinkelleben", das heißt die Pflicht, in der Schule regelmäßigzu lernen und zu arbeiten, „die Kraft brach." Viele Gym-nasiasten schreiben albernes Zeug und schicken es den Blättern.Da es aber nicht gedruckt wird, so kommen sie allmälig zurBesinnung, der Kopf wird ihnen nicht verdreht und sie bildensich nicht ein, daß sie viel zu gut dazu sind, Ausgaben zumachen und sich für Schulprüfungen fleißig vorzubereiten.Ludwigs wäre vielleicht von seiner Thorheit geheilt worden, erwürde heute vielleicht leben und ein nützlicher Mensch werdenkönnen, wenn ruchlose Redaktionen realistischer Zeitschriften nichtseine Faseleien gedruckt, ihn von seinen Studien abgelenkt undseine krankhafte Knabeneitelkeit zu Größenwahn gesteigert hätten.
Daß dieser Einbruch mit bewaffneter Hand in das Schrift-thum, um ein Nietzschesches Wort zu gebrauchen: dieser Sklaven-aufstand in der Literatur, bis zu einem gewissen Maße gelingenkonnte, das findet seine Erklärung in den deutschen Zuständen.Eine Versumpfung war nach 1870 in unserm Schriftthumthatsüchlich eingetreten. Dies konnte auch nicht anders sein.Das deutsche Volk hatte seine ganze Kraft anspannen müssen,um seine Einheit in furchtbaren Kriegen zu erringen. Mankann aber nicht zugleich Weltgeschichte in größtem Stil machenund ein blühendes Kunstleben führen, sondern nur das eine oder