Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
461
Einzelbild herunterladen
 

II. Diejungdeutschcn" Nachäffer.

461

acht Jahren hervorgetreten sind, nothwendig eine unheilvolleAnziehung aus. Wenn man die Ungeheuern Schwierigkeitenerwägt, die sich dem Neuling entgegenstellen, welcher ohneVerbindungen, ohne Beschützer und Förderer, ganz auf sichselbst angewiesen, den Marterweg zum schriftstellerischen Erfolgeantritt, so wird man es begreiflich finden, daß die Auftretendendas Verlangen haben mußten, sich einer Gesellschaft anzuschließen,die eine mächtige Gliederung, eigene Zeitschriften und Verlegerund ein bestimmtes Publikum besaß und stets bereit war, fürihre Angehörigen mit der Unbedenklichkeit und den Kampf-gewohnheiten von Messerstechern einzutreten. Als Mitglied derBande war man aller Mühsal des Beginns enthoben. Nurdie allerstärksten Talente, wie z. B. Hermann Sudermann, ver-schmähten es, sich den Kampf durch solche Bundesgenossen zu er-leichtern. Die Anderen ließen sich gern in die Bande einreihen.Die Folge davon war, daß gänzlich unberechtigte Burschezum Schriftstellern verlockt wurden, die nie vor das Publikumgelangt wären, wenn es die besonderen Ablagerungsstellen nichtgegeben hätte, wo jeder Müll angcfahren werden durfte, unddaß andere, vielleicht nicht ganz unbegabte, Zeitschriften undVerleger für Kindereien fanden, deren Erscheinen im Druck vorder Bildung der Baude undenkbar gewesen wäre. Die Einenwarfen sich auf das berufsmäßige Schreiben in einem Alter, inwelchem sie noch lange hätten lernen müssen, und blieben da-durch unwissend, unreif und oberflächlich, die Anderen gewöhntensich eine Lotterigkeit und Schlumperei an, in die sie nie ver-sunken wären, wenn sie, in Ermangelung der ihnen von derOrganisation der Bande gebotenen Bequemlichkeiten, sich einigerZucht hätten unterwerfen und ihre Fähigkeit sorgsam ausbildenmüssen. Der Bestand dieser literarischen Maffia begünstigtedie Nachäffer gegen die Selbstständigen, die Rotte gegen dieEinsamen, die Schmierer gegen die Künstler und die Unflätigengegen die Feinfühligen so stark, daß ein Wettbewerb fast nicht