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2 (1893)
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463
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II. Diejungdeutschen'' Nachkffcr.

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das andere. Im Frankreich Napoleons I. hießen die berühm-testen Schriftsteller Abbä Delille und Nepomucene Lemercier.Das Deutschland Wilhelms I., Moltkes und Bismarcks konntekeinen Goethe und Schiller Hervorbringen. Die Sache erklärtsich ganz unmystisch. Das Volk gewinnt aus den gewaltigenEreignissen, die es erlebt und an denen es mitwirkt, einenMaßstab, gegen den gemessen alle Kunstwerke zusammen-schrumpfen, und die Dichter und Künstler, und zwar geradedie begabtesten und gewissenhaftesten unter ihnen, fühlen sichgedrückt und entmuthigt, oft ganz gelähmt, durch die doppelteErkenntniß, daß ihr Volk ihre Arbeiten nur zerstreut und oben-hin verfolgt und daß ihre Schöpfungen an die Größe der vorihren Augen ablaufenden geschichtlichen Vorgänge unmöglichhinanreichen können. In diese kritische Zeit vorübergehendergeistiger Erschlaffung fiel das Auftreten der jnngdeutschen Bandeund es kam ihr sehr zu Statten, daß auch die anständigen undvernünftigen Leute ihre Angriffe auf viele der damals regierendenSenatoren der Literatur, wenn sie auch ihre Form verurtheilten,als berechtigt anerkennen mußten.

Der andere und wichtigere Grund aber ist die Anarchie, diegegenwärtig im deutschen Schriftthum herrscht. Unser Literatur-staat ist nicht regiert und nicht verthcidigt. Er hat keineObrigkeit und keine Polizei und darum kann eine kleine, aberentschlossene Bande von Missethütern in ihm nach Willkürschalten. Unsere Meister kümmern sich nicht um den Nach-wuchs, wie dies früher Brauch war. Sie haben keinen Sinnfür die Pflicht, den Erfolg und Nahm ihnen auferlcgen. Manmißverstehe mich nicht. Nichts kann mir ferner liegen als derGedanke, die Literatur in eine Zunft zu verwandeln und vonden Angelangtcn zu verlangen, daß sie Lehrlinge und Gesellenhcranziehcn. (Thatsächlich bildet jedes neue Geschlecht sichunbewußt ja doch an den Werken der geistigen Ahnen.) Aber siedürfen nicht gleichgiltig sein gegen das, was nach ihnen kommt.