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Der Realismus.
im Uebrigen Herr zu sein, die Hände." „Es ist der BauerKrause, welcher wie immer als letzter Gast das Wirthshausverlassen hat." „Er umarmt sie mit der Plumpheit einesGorillas" u. s. w. Wie soll ein Schauspieler es anfangen,den Zuschauer bei seiner Plumpheit gerade au einen Gorilladenken zu machen oder ihm zu zeigen, daß er das Wirthshaus„wie immer" als Letzter verläßt? Und besonders: wie ist eszu erklären, daß derselbe Hauptmann, der die „Weber" ge-schaffen hat, nach dieser stolzen Dichtung die Novellen „DerApostel" und „Bahnwärter Thiel" fl schreiben konnte? Hierfallen wir in die unterste Tiefe der jungdeutschen Unfähigkeitzurück. Der Gedanke Unsinn und Nachahmung, von Lebens-wahrheit kein Schimmer und die Sprache, die, wo Hauptmannsie mundartlich schreibt, so eigenartig und lebendig ist und jedeleiseste Schattirung des Gedankens so genau wiedergibt, banalund hudelig zum Weinen. Ueber den „Apostel" ist kein Wortzu verlieren. Ein offenbar geisteskranker Schwärmer geht inmorgenländischer Prophetentracht durch die Straßen von Zürichund wird von der Menge für Christus gehalten und angebetet.Das ist die ganze Geschichte. Sie ist so vorgetragen, daß mannie weiß, wo Träume des „Apostels", wo Wirklichkeiten er-zählt werden. Seine Gedanken und Gefühle sind ein Widerhallvon Nietzsche. Unverkennbar ist „Zarathustra" Hauptmann zuKopfe gestiegen und es hat ihn nicht ruhen lassen, ehe er vondiesem Blödsinn einen zweiten Ansguß hergestellt hat. „Bahn-wärter Thiel" hat seine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindesverloren. Dienstlich stets vom Hause abwesend, muß er, umdem Kind eine Pflegerin zu geben, eine zweite Frau heiraten.Die Stiefmutter, die dem Gatten bald ein eigenes Kind ge-biert, behandelt das mutterlose schlecht. Trotz der Warnung
Gerhart Hauptniann, Der Apostel. Bahnwärter Thiel. No-vellistische Studien. Berlin, 1892.