II. Die „jungdcutschen" Nachäffer.
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die entsetzliche Lage der Weber kennzeichnen, sich gerade in dieeine Mittagsstunde und in das eine Zimmer beim FabrikantenDreißiger zusammengedrängt haben sollen, und es ist, wennnicht völlig unmöglich, doch höchst unwahrscheinlich, daß diemörderische Soldatenkugel gerade den Weber Hilse getödtethaben wird, den einen gottvertrauenden, in sein Geschick er-gebenen Mann, der ruhig bei seiner Arbeit geblieben ist, alsalle Anderen zur Plünderung und zum Straßenkampf stürzten.Da hat der Dichter nicht „reales" Leben wiedergegeben, sondernden Stoff, den er sich durch die Beobachtung des Lebens er-worben, frei verwendet, um seinen persönlichen Gedankenkünstlerisch zu versinnlichen. Sein Gedanke war, für eine
bestimmte Form von Menschenelend unser Mitleid so heftig,wie er es selbst empfindet, zu erregen. Zu diesem Zweckesammelte und fügte er mit sicherer Künstlerhaud in einenengen Rahmen, was im Leben wohl über Monate oder Jahreund weite Strecken vertheilt war, und lenkte den Flug einerblind unbewußten Kugel so, daß sie wie ein vernünftiger Böse-wicht ein besonders ruchloses Verbrechen beging und dadurchunser Mitgefühl mit den armen Webern zu unleidlicher Ent-rüstung steigerte. Das Stück zeigt uns also Gedanken undAbsichten des Dichters, es zeigt uns seine Art, die Wirklichkeitzu sehen und zu deuten, es läßt uns die Gefühle erkennen,welche das Schauspiel der Welt in ihm erweckt, es ist alsoeine im höchsten Maße subjektive Dichtung, das heißt dasGegentheil einer „realistischen" Abbildung des Thatsächlichen,die nothwcndig photographisch objektiv sein müßte.
Wie ist es möglich, daß der seine Mittel mit so feinemGeschmack und kluger Berechnung der Wirkung verwendendeKünstler zugleich solche Naivetäten begeht wie etwa diese Bühnen-Anweisungen in „Vor Sonnenaufgang": „Frau Krause, im Be-griffe, sich zu setzen, erinnert sich, daß das Tischgebet noch nichtgesprochen ist, und faltet mechanisch, doch ohne ihrer Bosheit