II. Die „jungdentschen" Nachäffer.
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Thiels läßt sie eines Tages das Stiefkind auf der Bahnstreckeohne Aufsicht, und es wird vom Zuge überfahren. Darauf er-mordet Thiel in der Nacht feine Frau und fein Kind zweiterEhe mit einer Axt aufs Gräßlichste und wird als Tobsüchtigerin eine Irrenanstalt geschafft. Aus der Schilderung Thielsnur einige Züge: „Im Dunkel . . . wurde das Wärterhäuschenzur Kapelle. Eine verblichene Photographie der Verstorbenenvor sich auf dem Tisch, Gesangbuch und Bibel aufgeschlagen,las und sang er abwechselnd die lange Nacht hindurch, nurvon den in Zwischenräumen vorbeitobenden Bahnzügen unter-brochen, und gerieth hierbei in eine Extase, die sich zu Ge-sichten steigerte, in denen er die Todte leibhaftig vor sich sah."„Die" (Telegraphen-) „Stange am Südende des Reviers hatteeinen besonders vollen und schönen Akkord. . . Der Wärterwurde weihevoll gestimmt, ähnlich wie in der Kirche. Zudemunterschied er mit der Zeit eine Stimme, die ihn an seineverstorbene Frau erinnerte. Er stellte sich vor, es sei ein Chorseliger Geister, in den sie ja auch ihre Stimme mische, unddiese Vorstellung erweckte in ihm eine Sehnsucht, eine Rührungbis zu Thränen." Jungdeutschland spricht von Auerbach ver-ächtlich, weil er empfindsame Bauern geschildert hat. Ist auchnur ein einziger Schwarzwäldler Auerbachs so zucker- und rosen-wässerig sentimental wie dieser Bahnwärter des „Realisten"Hauptmann, der sich an die Telegraphenstange lehnt und vonihrem Tönen zu Thränen gerührt wird? Auch die Stelle(S. 22—23), wo gezeigt ist, wie Thiel beim Anblick seinesWeibes in verliebte Erregung geräth („eine Kraft schien vondem Weibe auszugehen, unbezwingbar, unentrinnbar, der Thielsich nicht gewachsen fühlte"), hat Hauptmann aus Zolas Ro-manen und nicht aus der Beobachtung deutscher Bahnwärter ge-schöpft. Oder wollte er überhaupt einen Geisteskranken schildern,der dies immer war, lange ehe seine Tobsucht zum Ausbruchkam? Dann hat er das Bild sehr falsch gezeichnet.