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Der Realismus.
die sich des Einzelnen in einem aufgeregten Haufen bemäch-tigen und seinen Charakter und alle seine Triebe nach demVorbilde der in der Regel verbrecherischen Führer umgestalten.Es enthält endlich einen in der ganzen mir bekannten Welt-literatur nicht so vollendet anzutreffenden Beweis, daß auchmit dem Ekelhaften, wenn es richtig verwendet ist, Schönheits-wirkung erzielt werden kann. Ein armer Weber, der seit zweiJahren kein Fleisch gegessen hat, läßt von einem Kameradenein ihm zugelaufenes nettes Hündchen schlachten, da er dazuselbst nicht das Herz hat, und seine Frau brät es ihm. Erkann seine Gier nicht bemeistern und fängt an, aus der Brat-pfanne heraus zu schlingen, fast ehe das Fleisch noch gar ge-worden ist. Aber sein Magen verträgt den Leckerbissen nichtund er muß ihn zu seiner Verzweiflung wieder von sich gebenDer Zug ist an sich höchst unappetitlich. Aber er wird hierschön und tief bewegend, denn er kennzeichnet mit unvergleich-lich tragischer Kraft das Elend der bejammernswerthen Hunger-leider.
Dieses Stück, scheinbar so realistisch in dem Sinne, dendie oberflächlichen Schwätzer diesem Worte beilegen, ist alsGanzes der überzeugendste Widerspruch gegen die Theorie desRealismus. Denn es ist unglaublich, daß alle Züge, welche
') Gerhart Hauptmann, Die Weber. Schauspiel aus den vier-ziger Jahren. Zweite Auflage. Berlin, I8!>2. S. 3!>: „Bertha.Wo is denn Vater? (Der alte Baumert hat sich stillschweigend entfernt.)Mutter Baumert. Ich weeß nich, wo a mag hinsein. Bertha.Is etwan, das a das Fleeschcrne nimehr gewehnt is?! MutterBaumert (außer sich, weinend). Nu da seht irsch, nu da seht irsch!Da bleibts n noch ni amal. Da wird a das ganze bissel schccnes Essenwieder von sich geben. Der alte Baumert (kommt wieder, weinendvor Ingrimm). Nee, nee! mit mir is bald gar alle. Mich habn sebald a so weit! Hat man sich amal was gutes Vergattert, da kannmas ni amal mehr bei sich behaltn. (Er sitzt weinend nieder auf dieOfenbank.)"