Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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451
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II. Diejnngdeutschen" Nachäffer.

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diesem Drama ist, daß Hauptmanu darin mit Hochachtungabnöthigender Genialität die ungeheure Schwierigkeit über-wunden hat, uns fortwährend menschlich zu fesseln und zu be-wegen, ohne seiner Dichtung einen bestimmten Menschen alsMittelpunkt zu geben, und die Handlung auf eine großeAnzahl Personen und in eine Fülle von Einzelzügen zu ver-theilen, ohne daß sie jemals aufhört, einheitlich und straff zusein. Diese peinlich genau beobachteten Züge find nothwendigvon einzelnen Menschen erlebt und doch erwecken sie Spannung,Anthcilnahme, Mitleid nicht für den Einzelnen, sondern füreine ganze Menschenklasfe. Wir gelangen durch die Emotionzu einer Verallgemeinerung, die sonst nur Verstandesarbeit ist,durch die Dichtung zu einem Gefühle, das sonst nur von derWeltgeschichte erregt wird. Indem er dies möglich macht, er-hebt Hauptmann sich weit über den Sumpf öder Nachahmungund schafft eine wirklich neue Form: das Drama, in welchemnicht ein Einzelner, sondern die Menge der Held ist; er er-reicht mit Kunstmitteln die Sinnestäuschung, daß wir beständigglauben, die namenlose Million vor uns zu sehen, obwohlnatürlich immer nur wenige Individuen auf der Bühne leiden,sprechen und handeln. Neben dieser großen und grundstürzendenNeuerung sind in dem Stücke noch andere ästhetische Haupt-fragen überwältigend schön und schlicht gelöst. Wir haben daein Drama ohne Liebe und damit den Beweis, daß auch mitanderen menschlichen Gefühlen als nur dem Geschlechtstriebedas Gemüth des Lesers aufs Gewaltigste erschüttert werdenkann. Das Stück ist ferner ein merkwürdiger Beitrag zu derganz neuenPsychologie der Menge", mit der Sighele, Four-nial u. A. sich beschäftigt Habens, und es gibt ein durchausrichtiges Bild von dem Delirium und den Sinnestäuschungen,

Scipio Sighele, H lolta ctstingusnto. Turin, 1882. Fournial,ütssui sur tu ps^otiotogis ctos loutos. Lyon, 1892.

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