Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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447
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II. Diejungdeiitschen" Nachäffer.

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heit seines Geschmacks und Künstlergewissens verräth, so unter-scheidet er sich doch von ihnen durch einige große Eigenschaften:er besitzt eine saftige, tief gefärbte, mit Ausdruck und Gefühlvollgeladene Sprache, wenn es auch eine Mundart ist, er weißdie Wirklichkeit zu sehen und hat die Kraft, sie in der Dichtungwiederzugeben.

Ein endgiltiges Urtheil wird Niemand über den Dreißig-jährigen fällen wollen. Man kann nur von seinen Anfängensprechen und aus ihnen Hoffnungen für feine weitere Ent-wickelung schöpfen. Was er bisher geleistet hat, das ist er-staunlich ungleich. Diese Arbeiten zeigen neben Eigenart ödeNachahmung, neben hoher künstlerischer Einsicht Unbeholfen-heiten und Naivetäten eines Schuljungen und neben genialenAufflügen betrübende Banalitäten. Es läßt sich nicht einmalnoch erkennen, ob er Dramatiker oder Erzähler ist. Denn inzweien seiner Stücke,Vor Sonnenaufgang" undCollegeCrampton", herrscht eine so vollständige Abwesenheit von fort-schreitender Handlung, eine so reine, entwickelunglose Zuständ-lichkeit, wie der Trieb eines von der Natur auf das Theaterhingewiesenen Talents sie nie geduldet hätte. Vielleicht stehtHauptmann blos unter dem Bann einer ästhetischen Theorie,aus dem er sich später befreien wird. Er will nämlich dasmilion" treu und vollständig schildern und verliert darüberdie Hauptsache in der Dichtung, die handelnden Personen undihre Geschicke, aus den Augen. Seine Dramen zerfallen des-halb vielfach in eine Reihe Episoden, die au sich gut beobachtetund charakteristisch sind, aber mit der Handlung nur lose odergar nicht Zusammenhängen, wie in dem DramaVor Sonnen-aufgang" das Auftreten des Hopslabär, der abziehenden MagdMarie, der Milch mausenden Kutschenfrau u. s. w., und siewerden dadurch zu Sittenbildern, hören aber gleichzeitig auf,einheitliche Dichtungen zu sein.

Wie von den französischen Realisten die übermäßige und