Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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445
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II. Diejungdcutschen" Nachäffer.

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ist mein Schatz? Eine Plättmamsell. Wo wohnt sie? Untenam Gries, Wo die Isar rauscht, wo die Brücke steht,Wo die Wiese von flatternden Hemden weht:- Da liegt meinParadies. Im allerkleinsten Hause drin, Mit den Fenster-läden grün, Da steht mein Schatz am Bügelbrett Hoiho,wie sie hurtig den Bügelstahl dreht, Gott, wie die Backenglühn." Der Leser würdigt hoffentlich die große Wahrheit undNatürlichkeit diesesHoiho" undGott". (Schrei.")Michfrißt die Wuth, mich frißt die Gier: Nach dir, nach dir,nach dir, nach dir! Es rast mein Blut, es rast mein Hirn:Nach dir, nach dir, du lachende Dirn! Krank bin ich vorLiebe an Seele und Leib: Nach dir, nach dir, du lockendesWeib." (Von rothen Backen las ich diesen Spruch.")Bauern-mädel rundes, Bauernmädel gesundes, Bauernmädelschenkelstramm Haut die ganze Welt zusamm."

All das ist nur lächerlich und kaum eines Achselzuckenswerth. Wahren Schmerz muß man jedoch beim Anblick desTreibens eines der Jnngdeutschen empfinden, der mit einemmächtigen lyrischen Talente begnadet war, seine ursprünglicheBegabung jedoch in bodenloser Rohheit verkommen läßt. KarlHenckell hat vielversprechend angefangen. In seinenAmsel-rufen" war wirklich Poesie. In einer spätem Sammlungaber fl kommen Strophen vor wie diese:Banchmast- und Ent-fettungskuren, Chic und Chec und Schock, die Huren,Die Kulthuren der Kultur, Laster, Lug und Trug dieLouis Rotzten auf die Dichterpfuis Der beleidigtenNatur." Er ist stolz darauf, daß er mit solchem Schweine-behagen in seiner Jauche sühlt, und grinst im Voraus denanständigen Menschen, die sich die Nase zuhalten und denSchritt beschleunigen, wenn sie an seinem Tümpel vorübergehen,höhnisch ins Gesicht: (Vornehme Kritik.")Wie werden die

y Karl Henckell, Diorama. Zürich, >880. S. 2, 75, 93, 139.