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Der Realismus.
Löwenpranken und Sirene mit Fischschwanz. Sie schließt allenZauber und alle Gaben, Liebe und Weisheit, Tugend undliebeheißes Heidenthum in sich. An der Kellnerin kann man dieBeobachtungsfähigkeit und Gestaltungskraft der deutschen „Rea-listen" am genauesten messen.
Ist Tovote ein mustergiltiger Vertreter der durchaus nichtkranken, nur über alle Begriffe unfähigen Eindringlinge in dasSchriftthum, zu dem sie höchstens als Kolportageroman-Hausirerin Beziehung zu treten berechtigt wären, so lernen wir in Her-mann Bahr eine ausgesprochen krankhafte Erscheinung kennen.Bahr ist ein hochgradiger Hysteriker, der um jeden Preis vonsich reden machen will und auf den unglücklichen Einfall ge-rathen ist, dies durch Bücher zu erreichen. Talentlos bis zurUnwahrscheinlichkeit, sucht er durch die verrücktesten Absonderlich-keiten aufzufallen. So nennt er das für seine Art bezeichnendsteBuch, das er bisher veröffentlicht hat, „Die gute Schule"'),„Seelcnstände." „Seelenstände?" fragt der Leser erstaunt. Jawohl. Er hat nämlich bei den neuen französischen Schriftstellerndas Wort „etats d'ume" gelesen und nicht verstanden. FürJeden, der etwas Deutsch und Französisch kann, bedeutet derAusdruck „Seelcnzustände". Bahr hat mit Hilfe eines Wörter-buchs herausgebracht, daß „ötut" auch „Stand" heißt, und erhat flott übersetzt: „Seeleustände". Schade, daß er nicht„Seelenstaaten" gesagt hat, das wäre noch hübscher gewesen.
Die Geschichte, die in den „Seelenständen" erzählt wird,ist mit Benutzung wenigstens eines Thcils des oben mitgetheiltenRezepts angefcrtigt. Der Held ist nämlich ein österreichischerMaler, der in Paris lebt; eines Tages des Alleinseins müde,gabelt er sich auf der Straße ein Mädchen auf, das zwar un-orthodoxer Weise keine Kellnerin, sondern eine Modistin ist,aber doch alle Märchen-Herrlichkeit der jungdeutschen Kellnerin
>) Hermann Bahr, Die gute Schule. Seelenstünde (!!). Berlin,1890.