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Der Realismus.
frömmigkeit verständlich. Aber wie konnte unter der strahlen-den Sonne und dem ewig blauen Himmel Italiens, inmitteneines schönen, fröhlichen, selbst im Sprechen singenden Volkessystematischer Pessimismus (einzelne Kranke wie Leopardikönnen als Ausnahme natürlich überall auftreten) entstehen,und wie kamen Italiener zu einer geisteskranken Lüstelei, dadoch in ihrem Lande noch eine Erinnerung an die harmlosderbe Sinnlichkeit der klassischen Welt mit ihren Sinnbildernder Fruchtbarkeit in Tempeln und Feldern lebendig ist undgesunde, natürliche Geschlechtlichkeit dort durch die Jahrhunderteimmer das Recht behalten hat, sich naiv in Kunst undSchriftthum zu äußern? Wenn der Verismus etwas Anderessein soll als ein Beispiel der Verbreitung geistiger Seuchendurch Nachahmung, so erwächst der wissenschaftlichen KritikItaliens die Aufgabe, dieses sittengeschichtliche Paradoxon zuerklären.
Die andere Gruppe der Zola-Nachahmer besteht nicht aushöheren Entarteten, nicht aus Kranken, die sich aufrichtig geben,wie sie sind, und oft mit Talent ausdrücken, was sie fühlen,sondern aus Leuten, die sittlich und geistig aus der Höhe derZuhälter stehen und statt des Gewerbes dieser Nachtvögel dasungefährlichere und bis jetzt geachtetere von Roman- undDramen-Schreiben gewählt haben, als die Theorie des Naturalis-mus es ihnen erreichbar gemacht hatte. Dieses Gezücht hatvon Zola blos die Zote übernommen und sie, ihrem Bildungs-grad entsprechend, bis zur Schweinerei ohne Umschweif zurück-geführt. Zu dieser Gruppe gehören die Pariser Berufs-Porno-graphen, deren Tage- und Wochenblätter, deren Geschichten,Bilder und Theatervorstellungen nach Chiracscher Art denZuchtpolizei-Gerichten fortwährend Arbeit geben, die norwegischenVerfasser von Straßendirnen-Romanen und leider auch einTheil unserer „jüngstdeutschen" Realisten. Diese Gruppe stehtaußerhalb des Schristthums. Sie bildet einen Theil jenes Aus-