I. Zola und dis Zolaschulen.
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Zolas zwei Gruppen zu unterscheiden. Die eine pflegt haupt-sächlich seinen Pessimismus und nimmt ohne Enthusiasmus,ja oft mit merklicher Verlegenheit und geheimem Widerwillen,seine Unfläterei mit in den Kauf. Sie besteht aus Hysterikernund Entarteten, die guten Glaubens sind, die in Folge ihrerorganischen Verfassung thatsächlich pessimistisch fühlen und beiZola die Kunstformel gefunden haben, die ihren echtestenEmpfindungen entspricht. Zu dieser Gruppe rechne ich einigeDramatiker der Pariser „Freien Bühne" und die italienischen„Veristen". Das naturalistische Theater ist das unwahrste,das man bisher gesehen hat, unwahrer selbst als die Operetteund die Feerie. Es pflegt nämlich die sogenannten „grau-samen Worte", das heißt Aeußernugen, in welchen die handeln-den Personen alle erbärmlichen, ruchlosen und feigen Gedankenund Gefühle offen auskramen, die in ihrem Bewußtsein auf-tauchen, und übersieht grundsätzlich die ursprünglichste undhandgreiflichste Thatsache, daß die weitaus verbreitetste undzäheste Eigenschaft des Menschen Heuchelei und Verstellung ist,daß die Formen der Sitte die Sittlichkeit unabsehbar lang über-dauern und daß der Mensch um so ehrbarer thut und seineNiedertracht um so scheinheiliger verbirgt, je schurkischer undgemeiner seine Triebe sind. Die Veristen, unter denen sichmanche starke Schriftsteller-Naturen finden, sind eine der über-raschendsten und betrübendsten Erscheinungen im Schriftthumder Gegenwart. Man begreift den Pessimismus in dem vonschweren Schicksalen heimgesuchten Frankreich, man begreift ihnauch im grau bewölkten, vom Alkoholismus verwüsteten, inden kleinlichsten bürgerlichen Verhältnissen hindämmerndenNorden. Auch der Erotismus ist bei der Ueberreizung undErschöpfung des Pariser Volkes und im skandinavischen Nordenals eine allerdings weit über das berechtigte Ziel hinaus-schießende Auflehnung gegen die eifernde Zucht und denmürrischen Zwang einer freudlosen, fleischabtödtenden Kirchen-