I. Zola und die Zolaschulen.
407
pardon „hat einen guten frischen Geruch von Herbstfrüchten".Im ^Ventrö cts lllnris" riecht Fran^oisc „nach Erde, Heu, freierLuft und freiem Himmel". In demselben Romane kommtdie „Käse-Symphonie" vor, die bei den Zola-Schwärmernebenso berühmt ist wie die lustbebende, eingehende Beschreibungdes mannigfaltigen Gestanks der Schmntzwäsche inmoir".
Den bekannten „Verständnißvollen" ist dieses Verweilenbeim Dufte der Menschen und Dinge natürlich ein Vorzug undeine Vollkommenheit mehr. Ein Dichter, der so gut riechtund durch die Nase so reiche Eindrücke von der Welt empfängt,ist „ein stärker schwingendes Werkzeug der Beobachtung" undseine Darstellungskunst ist vielseitiger als die derjenigen Dichter,welche die Eindrücke von weniger Sinnen wiedergeben. Warumsoll denn auch der Geruchssinn in der Dichtung vernachlässigtwerden? Hat er nicht dieselbe Berechtigung wie alle anderenSinne? Und nun wird darauf flugs eine ästhetische Theoriegebaut, die, wie wir gesehen haben, Hnysmans' des Esseintesveranlaßt, sich eine Duft-Symphonie zu komponiren, und dieSymbolisten dazu führt, den Vortrag ihrer Dichtungen aus derBühne von Gerüchen begleiten zu lassen, welche angeblich demInhalte der Verse angepaßt sind. Die „verständnißvollen"Faseler ahnen wieder einmal nicht, daß sie einfach gegen denGang der organischen Entwickelung in der Thierreihe schwätzen.Es hängt nicht vom Belieben eines Wesens ab, ob es sich seineVorstellung von der Außenwelt aus einer Gruppe von Wahr-nehmungen dieses oder jenes Sinnes aufbauen will. Es ist indieser Hinsicht vollständig dem Bau seines Nervensystems unter-worfen. Die Sinne, die vorwiegen, sind diejenigen, welche dasWesen zum Erwerben seiner Erkenntniß benutzt. Die minderoder gar nicht entwickelten Sinne helfen dem Gehirn wenig odergar nicht, die Welt zu erkennen und zu begreifen. Dem Geierund Kondor ist die Welt ein Gemälde, der Fledermaus und