I. Zola und die Zolaschulen.
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kennt, nie geboten hätte, das fand er in den polizeilichen undärztlichen Berichten über die Kerangals fertig vor: eine üppigeAuswahl der abscheulichsten Verbrechen, der ausgefallenstenAbenteuer, der tollsten und ausschweifendsten Lebensläufe, durch-setzt mit Kunstneigungen, die das Ganze besonders pikantmachen. Wenn irgend ein Hintertreppenroman-Schneider dasGlück gehabt hätte, diesen Fund zu machen, so hätte er denStoff wahrscheinlich pfuscherhaft vergeudet. Zola, mit seinergroßen Kraft und düstern Emotivität, hat ihn äußerst wirksamzu verwerthen gewußt. Aber das Gebiet, das er behandelt, istdennoch das des Kolportage-Romans, das heißt einer ver-kommenen Romantik, die ihre Träume nicht, wie die blühendeRomantik, in Paläste, sondern in die Spelunken, Gefängnisseund Irrenhäuser verlegt und sich von der Mittelschicht gesundenLebens ebenso weit entfernt wie diese, nur in entgegengesetzterRichtung, in die Tiefe statt in die Höhe. Aber wenn Zolaweit begabter ist als die Verfasser der „Rinaldo Rinaldinis",der „blutigen Nonnen um Mitternacht", der „Scharfrichter vomSchreckenstein" u. s. w., so ist er auch weit unehrlicher als sie.Denn sie räumen wenigstens ein, daß sie höchst wunderbareund einzige Greuel erzählen, während er seine zusammen-gelesene Verbrecher- und Irren-Chronik für die aus der Beob-achtung des Alltagslebens abgeleitete normale Naturgeschichteder französischen Gesellschaft ausgibt.
Durch die Wahl seines Stoffes im Gebiete des Außer-ordentlichsten und Ausnahmsweisesten, durch den kindlichenoder verrückten Symbolismus und Anthropomorphismus seinerim höchsten Grade unwirklichen Weltbetrachtung stellt sich alsoder „Realist" Zola als unmittelbare, geradlinige Fortsetzungder Romantiker dar; seine Werke unterscheiden sich von denenseiner schriftstellerischen Vorfahren blos durch zwei Eigenschaften,die Brunetisre') gut erkannt hat: durch „Pessimismus und ab-
y Brünettere, a. a. O. S. IH.