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Der Realismus.
Muffat von „Nana" kundgibt, hat Zola in einer AnführungTaines aus Thomas Otways „Gerettetem Venedig" gesundenDie Entbindungsszene in „Im ^jois clö vivre", die Schilderungder Messe in „Du tuuts clo l'Kbllv Llouret^ u. s. w. sindwörtlich aus einem Lehrbuch der Geburtshilfe und einem Meß-buch ausgeschrieben. Man liest manchmal in den Zeitungenwichtigthuende Darstellungen der „Studien", denen Zola obliegt,wenn er an einen neuen Noman geht. Diese „Studien" bestehendarin, daß er dem Börsengebäude einen Besuch abstattet, wenner über die Spekulation, daß er eine Fahrt auf einer Lokomotiveunternimmt, wenn er über das Getriebe auf einer Bahnstrecke,daß er einmal einen Blick in ein zugängliches Schlafgemachwirft, wenn er über die Pariser Cocotten-Wirthschaft schreibenwill. Eine solche „Beobachtung" gleicht der eines Reisenden,welcher in einem Schnellzug durch ein Land fährt. Er kanneinige Aeußerlichkeiten wahrnehmen, er kann sich einige Anblickemerken und sie später zu farbenreichen, wenn auch gänzlich un-wahren, Beschreibungen verarbeiten, aber er erfährt Nichts vonden wirklichen und wesentlichen Eigenthümlichkeiten des Landesund dem Leben und Treiben seiner Bewohner. Wie alle Ent-arteten ist auch Zola ein vollkommener Weltfremdling. SeineAngen sind nie aus Natur und Menschheit, sondern immer nurin sein eigenes Innere gerichtet. Er hat von Nichts eigeneKenntniß, sondern erwirbt Alles, was er von Welt und Lebenweiß, aus zweiter und dritter Hand. Flaubert hat in „Bouvardund Pocuchet" die Gestalten zweier Dummköpfe geschaffen, diemit nichtsahnender Harmlosigkeit an alle Künste, alle Wissen-schaften herantreten und sie zu erwerben glauben, wenn sie daserstbeste Buch über den Gegenstand, das ihnen in die Handfällt, durchblättern, richtiger mit glotzendem Thierauge über-fliegen. Zola ist ein „Beobachter" von der Gattung der Bou-
>) BrunetiLre, a. a. O. S. 153.