I. Zola und die Zolaschulen.
387
eine Zeit, da in Frankreich noch nicht Mystizismus die Modewar. Damals waren beim schreibenden und schwatzenden TroßPositivismus und Naturwissenschaft die beliebten Schlagworte.Um sich bei dem Haufen zu empfehlen, mußte man vorschützen,Positivist und wissenschaftlich zu sein. Gewürzkrämer, Gast-wirthe, kleine Erfinder u. s. w. haben immer und überall dieGewohnheit, ihre Geschäfte oder Erzeugnisse mit einem Namenzu versehen, der an eine herrschende Vorstellung des Publikumsanknüpft. Heute empfiehlt sich ein Wirth oder Krämer durcheine Kneipe „zum Fortschritt" oder durch einen Laden „zumWeltverkehr" und ein Fabrikant preist seine Maaren als „elek-trische Hosenträger" oder „magnetische Tinte" an. Wir habengesehen, daß die Nietzscheaner ihre Richtung als eine „psycho-physiologische" bezeichnen. Aehnlich gab lange vor ihnen Zolaseinen Romanen das Reklame-Schild „zum naturwissenschaft-lichen Versuche". Aber mit Naturwissenschaft und Versuch habenseine Romane ebenso wenig etwas zu schaffen wie die Tintemeines Beispiels mit Magnetismus und die Hosenträger mitElektrizität.
Zola rühmt seine Arbeitsmethode. Alle seine Werkegehen aus der „Beobachtung" hervor. Die Wahrheit ist, daßer nie „beobachtet", daß er nie „ins volle Menschenleben hin-eingegriffen" hat, sondern stets in der papierenen Welt ein-gesperrt geblieben ist und alle seine Stoffe aus dem eigenenGemüthe, alle seine „realistischen" Einzelheiten aus Zeitungenund kritiklos gelesenen Büchern geholt hat. Ich möchte nuran einzelne Fälle erinnern, in welchen ihm seine Quelle nach-gewiesen worden ist. Alle Angaben über das Leben, die Sitten,die Gewohnheiten, die Sprache der Pariser Arbeiter im „^.ssoin-moir" sind der Studie von Denis Poulot „lb>s sublime^ ent-lehnt. Das Abenteuer von „Uns puKs ä'umour" ist denDenkwürdigkeiten von Casanova entnommen. Einzelne Züge,in welchen sich der Masochismus oder Passivismus des Grafen