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Der Realismus.
Geschicke der Millionen. Polizeiberichte, Steuerlisten, Handels-ausmeise, Verbrecher- und Selbstmordstatistik, Angaben überLebensmittelpreise, Löhne, durchschnittliche Lebensdauer derMenschen, das Verhältniß der Eheschließungen, der ehelichenund unehelichen Geburten, das sind „menschliche Urkunden";aus ihnen erfahren wir, wie ein Volk lebt, ob es fortschreitet,ob es glücklich oder unglücklich, ob es rein oder verdorben ist;die Sittengeschichte legt die unterhaltlichen Romane Zolas ge-ringschätzig bei Seite und greift zu den langweiligen statistischenTafeln, wenn sie Thatsachen braucht. Und eine noch viel sonder-barere Schrulle ist sein „Experimeutal-Noman". Das Wortwürde beweisen, daß Zola keine Ahnung vom Wesen des wissen-schaftlichen Versuches hat, wenn er es in gutem Glauben ge-brauchen würde. Er meint, einen Versuch gemacht zu haben,wenn er nervenkranke Personen erdichtet, sie in erdichtete Ver-hältnisse stellt und erdichtete Handlungen vollführen läßt. Einwissenschaftlicher Versuch ist eine an die Natur gerichtete ver-ständige Frage, aus welche die Natur, nicht der Frager selbst,die Antwort geben soll. Fragen stellt Zola auch. Aber anwen? An die Natur? Nein; an seine eigene Einbildungskraft.Und diesen Antworten soll eine Beweiskraft innewohnen! DasErgebniß des wissenschaftlichen Versuchs ist zwingend. JederMensch, der im Besitze seiner Sinne ist, kann es wahrnehmen.Die Ergebnisse, zu denen Zola bei seinen angeblichen „Ex-perimenten" gelangt, sind objektiv nicht vorhanden; sie bestehennur in seiner Einbildung; sie sind nicht Thatsachen, sondernBehauptungen, denen Jeder nach seinem Belieben glauben odernicht glauben kann. Der Unterschied zwischen Versuchen unddem, was Zola mit diesem Worte bezeichnet, ist so groß, daßes mir schwer wird, die mißbräuchliche Verwendung des Aus-druckes auf bloße Unwissenheit oder Denkunfähigkeit zurück-zuführen. Ich glaube vielmehr, daß es sich um bewußte,planmäßige Bauernfängerei handelt. Zolas Auftreten fällt in