I. Zola und die Zolaschulen.
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deutung einer nächsten, unmittelbarsten Ursache irgend einerHandlung, die entfernteren Ursachen dieser Handlung aberliegen in der Eigenart der Persönlichkeit und über diese gibtuns das inilien, das der Dichter schildert, keinen wirklichenAufschluß.
Bei dem Ansprüche Zolas und seiner Anhänger, daß seineRomane „Schnitte Leben", „ti-unebes äs vie" sind, brauchtman nicht erst zu verweilen. Wir haben schon oben gesehen,daß Zola nicht entfernt im Stande ist, das wirkliche, ganzeLeben in feine Romane einzutragen. Wie alle Dichter vorihm, so trifft auch Zola eine Auswahl; er gibt von einerMillion Gedanken seiner Personen einen; von zehntausend Ver-richtungen und Handlungen eine; von den Jahren ihres LebensMinuten oder gar nur Sekunden; seine angebliche „SchnitteLeben" ist eine gedrängte, verschobene, nach bestimmtenAbsichten künstlich geordnete, äußerst lückenhafte Uebersichtüber das Leben. Auch er wie alle anderen Dichter trifftseine Auswahl nach besonderen persönlichen Neigungen^ undder einzige Unterschied ist, daß diese Neigungen, die wirgleich kennen lernen werden, von denen anderer Dichter sehrverschieden find.
Zola nennt seine Romane „menschliche Urkunden" und„Experimental-Nomane". Ueber diese beiden Anmaßungenhabe ich mich schon vor dreizehn Jahren so ausgesprochen, daßich dem damals Gesagten auch heute nichts hinzuzufügen habe.Meint er, daß seine Romane ernste Urkunden sind, aus denen dieWissenschaft Thatsachen schöpfen kann? Welch eine Kinderei!Die Wissenschaft kann mit der Erdichtung nichts anfangen.Sie braucht keine erfundenen Menschen und Handlungen, undwenn sie noch so wahrscheinlich erfunden sind, sondern Menschen,die gelebt, und Handlungen, die stattgefnnden haben. DerRoman behandelt die Geschicke Einzelner oder höchstens dievon Familien, die Wissenschaft braucht Mittheilungen über die
Nordau, Entartung. II. 25