Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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382
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Der RciiliSmus.

Impressionist stellt sich der Erscheinung als bloßer Sinn, alsPhoto- oder Phonograph u. s. w., gegenüber. Er verzeichnetNervenschwingungen. Er versagt sich jedes höhere Verstündniß,die Verarbeitung der Wahrnehmungen zu Begriffen unddie Einordnung der Begriffe in die Erfahrungen, die inseinem Bewußtsein als allgemeine Erkenntniß vorbestehen. DerTheoretiker desmilian" dagegen legt planmäßig das Haupt-gewicht nicht auf die Erscheinung, sondern auf deren ursächlichenZusammenhang, er ist kein Sinn, der wahrnimmt, sondern einPhilosoph, der nach einem System zu deuten und zu erklärenversucht. Denn was heißt das, die Theorie desmilisu"?Das heißt, daß der Dichter die Behauptung aufstellt, dieEigenart und Handlungsweise des Menschen sei eine Folge derEinflüsse, welche seine lebendige und todte Umgebung auf ihnausüben, und daß er sich bemüht, diese Einflüsse und die Artihrer Wirkung auf den Menschen aufzudecken. Die Theorieselbst ist zwar richtig, aber wieder nicht von Zola erfunden,sondern so alt wie das philosophische Denken selbst. In unsererZeit hat Taine sie klar gefaßt und begründet und lange vorZola haben Balzac und Flaubert sie in ihren Romanen anzu-wenden gesucht. Und doch ist diese Theorie, die in derAnthropologie und Soziologie höchst fruchtbar ist und denAnstoß zu werthvollen Forschungen gibt, in der Dichtkunstwieder nur eine Verirrung und aus unklarem Denken hervor-gehende Verwechselung der Gattungen. Aufgabe des Mannesder Wissenschaft ist es, den Ursachen der Erscheinungen nach-zugehen; manchmal findet sie, häufig auch nicht; oft glaubter sie entdeckt zu haben und genauere Beobachtung lehrt später,daß er sich geirrt hat und seine Annahmen berichtigen muß.Die Erforschung der Bedingungen, unter welchen der Menschseine verschiedenen körperlichen und geistigen Eigenschaften er-wirbt, ist in vollem Gange, aber sie steht erst an ihren An-fängen und hat noch überaus wenige ganz sichere Thatsachen