380
Der Realismus.
und es ist durch und durch psychologisch unwahr, die Außen-welt sprachlich so zu schildern, wie wenn sie blos eine Farben-oder Laut-Empfindung auslösen, aber keinerlei Vorstellungen,Gedanken und Urtheile mit erregen würde. Der dichterischeImpressionismus ist ein Beispiel senes Atavismus, den wirals eigenthümlichsten Zug im Geistesleben der Entarteten kennengelernt haben. Er führt das menschliche Denken zu seinenthierischen Anfängen und die künstlerische Thätigkeit von ihrerheutigen hohen Diffcrenzirung zu ihrem Keimzustande zurück,in welchem alle später auseinander strebenden Künste noch un-entwickelt und ungeschieden nebeneinander lagen. Man würdigezum Beispiel diese impressionistischen Schilderungen der Gon-courts'): „Darüber lastete eine große Wolke, ein schwerer Dunstvon dunkel veilchenblauer Farbe, ein Dunst des Nordens. . .Diese Wolke erhob sich und endete in scharfen Nissen mit einerHelligkeit, in welcher ein wenig Blaßgrün in Nosa erlosch.Dann kam wieder mattgeriebener zinnfarbencr Himmel, vonLappen anderer grauer Wolken gefegt. . . Jenseits der etwasgewiegten Tanncnwipfel, unter welchen man den großen Baum-gang des Gartens nackt, entlaubt, geröthet, fast karminroth,bemerkte, . . . umspannte das Auge den ganzen Raum zwischender Kuppel der Salpetriäre und der Masse der Sternwarte:zuerst eine große wie hingewaschene Schattenfläche, Tusche aufrother Grundirung, eine Zone heißer und bituminöser Töne,verbrannt von den Ansengungen des Neifs und jener Winter-hitzen, die man auf der Wasserfarben-Palette der Engländerantrifft; dann, in der unendlichen Feinheit eines herabgestimmtenFarbentons, erhob sich ein weißlicher Abschnitt, ein milchigerund perlmutterner Qualm, durchlöchert einer Helle neuerBauten u. s. w." „Feine Töne einer Greisen-Färbung spielten
1) Edmond et Jules de Goncourt, Uanstts Laiowon. Paris, 1877.C. 3, 145, 191.