Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
379
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I. Zola und die Zolaschulen.

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Vorganges, der den Inhalt der Dichtung bildet, oder was einBetheiligter davon wahrnehmen kann, das heißt nur das. wassich aus den Vorgang unmittelbar bezieht. Begreift dieSchilderung noch Anderes in sich, so ist sie psychologisch un-wahr, zerstört Stimmungen, unterbricht Vorgänge, lenkt dieAufmerksamkeit von dem ab, was in der Dichtung die Haupt-sache sein muß, und verwandelt diese in ein Machwerk, demman anmerkt, daß es seinem Schöpfer damit nicht künstlerischerErnst war, daß es nicht aus einem Bedürfnisse dichterischer Ge-staltung einer echten Emotion hervorging.

Und eine noch viel schlimmere Verirrung als die ab-springende, kaltblütige Beschreibung ist der Impressionismus inder Dichtung. In der Malerei hat er seine Berechtigung.Diese gibt Eindrücke des Gesichtssinnes wieder und der Malerbleibt innerhalb der Grenzen seiner Kunst, wenn er seine reinoptischen Wahrnehmungen vorträgt, ohne zu komponiren, ohneeine Anekdote zu erzählen, das heißt ohne einen Gedanken inden wiedergegebenen Anblick hineinzutragen, ohne eine Tätig-keit seiner höchsten, gedankenbildenden, Zentren mit der Thätig-keit der Wahrnehmungszentren zu verknüpfen. Das nach dieserMethode entstehende Bild wird ästhetisch sehr tief stehen, aberes wird ein Bild sein, das sich vertheidigen läßt. Der dichterischeImpressionismus dagegen ist ein vollständiges Verkennen desWesens der Dichtkunst, ist deren Leugnung und Aufhebung.Das Mittel der Dichtkunst ist die Sprache. Diese aber isteine Thätigkeit, nicht der Wahrnehmungs-, sondern der Be-griffs- und Urtheils-Zentren. Die unmittelbare lautliche Ge-genwirkung auf Sinneserregungen ist nur der Ausruf. Ohnedie Mitarbeit der höchsten Zentren kann sich eine Wahrnehmunglautlich nur durch einAh!" oderOh!" äußern. Sowie aberder rein emotionelle Thierschrei sich zur grammatikalisch ge-gliederten, verständigen Menschenrede erhebt, ist auch die reinsinnliche Wahrnehmung zum Begriff und Gedanken gesteigert