I. Zola und die Zolaschulen.
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gekehrt gibt es Werke genug, in denen über dem Scheitel vonMenschen in niedrigster gesellschaftlicher Stellung eine unsicht-bare Kvnigskrone oder ein Heiligenschein schwebt. In GregorSamarows Kolportage-Romanen bewegen sich Kaiser und Könige,die fühlen, denken und sprechen wie Weinreisende von Winkel-geschäften; in Auerbachs Dorfgeschichten sehen wir Bauern,deren Geistes- und Gemüthsleben hochadelig, ja stellenweisehalbgotthaft ist. Unwirklich sind die einen wie die anderen,nur spricht aus den einen ein handwerksmäßiger Sensations-Schriftsteller, aus den anderen ein feiner, tief fühlender Dichterzu uns. In George Eliots „Mühle am Floß" lernen wireinen Bauernknecht Luke und eine Müllerstochter Maggie kennen,die in ihrer Charaktergröße und Sittlichkeit jedem PantheonEhre machen würden; in Thackerays „Jahrmarkt der Eitelkeit"zeigt man uns einen überaus großen und stolzen Marquis Steynesiund einen ebensolchen Earl Bareacres, denen kein anständigerMensch die Hand reichen möchte; die einen wie die anderensind wahr, nur verrathcn jene ein Dichterherz voll Menschen-liebe und Mitleid, diese ein von Bitterkeit und Grimm über-siießendes Künstlergemüth. Wer ist nun vornehm? Sind esSamarows Kaiser und Könige oder Auerbachs Schwarzwald-Dörfler? Wer ist gering? Sind es Eliots schottische Bauern-knechte oder Thackerays mächtige Peers von England? Undwelche von diesen Werken soll man als realistisch, welche alsidealistisch bezeichnen, wenn der Realismus die Beschäftigungmit niedrigen, der Idealismus die mit hohen Menschen undVerhältnissen bedeuten soll?
Einen Sinn kann also eine ernste Untersuchung, die sich beibloßem Wortgeklingel nicht aufhält, in den Ausdrücken „Realis-
„Er war ein größerer Prinz als Alle dort, obschon ein regie-render Herzog und eine königliche Hoheit, beide mit ihren fürstlichenGemahlinen, anwesend waren." Vauit/ kair, lünolmit? säition,3. Band S. 257.