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2 (1893)
Entstehung
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Der Realismus.

fähig und beobachtet, der andere ist ein Sklave seiner unge-zügelten Jdeen-Assoziation; bei dem einen wiegt im Bewußt-sein die Vorstellung des Nicht-Jchs, beim andern das Ich vor;ich zögere nicht, es mit einem Worte auszudrücken: der eineist gesund und in aussteigender Entwickelung begriffen, derandere mehr oder weniger krankhaft verändert, mehr oderweniger in Entartung versunken. Der gesunde Dichter ver-flicht Erkenntniß in jedes seiner Werke, es mag Dantes Hölleoder Goethes Aaust sein, und wenn man will, mag man diesesErkenntniß-Element, das nur durch Aufmerksamkeit und Beob-achtung errungen werden kann, Realismus nennen. Der ent-artete Dichter formt immer nur erkenutnißleere Seifenblasen,auch wenn er Beobachtungen vorzutrageu behauptet und selbstüberzeugt ist, und diesen im besten Falle farbenschillernden,meistens aber blos schmutzigen Schaum einer wirren Gedanken-brandung nennt man häufig mißbräuchlich Idealismus.

Man hat dem Realismus noch einen andern, letzten Sinnbeigelegt: er soll die grundsätzliche Behandlung niedriger Lebens-kreise und alltäglicher Menschen und Dinge bezeichnen. Da-nach wären Werke, in denen Arbeiter, Bauern, Kleinbürgeru. s. w. vorkämen, realistische, solche, in denen sich Götter,Helden, Könige u. s. w. bewegen, idealistische. Ludwig XIV.,der nach der bekannten Anekdote beim Anblick der TeniersschenBauernkneipen-Bilder, die man ihm vorzustellen wagte, un-gehalten die Worte der Verachtung fallen ließ:Man schaffediese Grotesken weg!", hätte nicht eine Kunstmethode und Dar-stellungsmittel, sondern die sein olympisches Auge beleidigendeNiedrigkeit des Vorwurfs verurtheilt. Diese Erklärung desAusdrucks Realismus ist etwas greifbarer als die anderen, aberich habe nicht erst nöthig, zu zeigen, wie roh äußerlich, wiephilosophisch und ästhetisch werthlos sie ist. Denn wir habenoben gesehen, daß man Götter und Könige die schlichtestenBauern-Gefühle und -Gedanken erleben lassen kann, und um-