Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
373
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1. Zola und die Zolaschulen.

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legt, ,einer fast vergöttlichten Galanterie, einem sinnlichen Ver-hältniß im Blauen, einer physischen Liebe in Idealität-, undwie all der Galimathias lautet, den ich dem Leser erspare?"Goucourt gibt vor, einen zeitgenössischen Engländer, eine eben-solche Bühnenkünstlerin, Vorgänge aus dem Pariser Leben zuschildern, also Alles Dinge, die er beobachtet haben könnte, dieihm bekannt sein sollten, aber was er von ihnen erzählt, istso unglaublich, so unmöglich, so noch nie dagewesen, daß manüber die kindische Fabel blos die Achsel zucken kann. Derdeutsche Märchendichter also, der uns in eine Gesellschaft vonEngeln, Heiligen und Königen führt, zeigt uns gesunde, derbeBauern und Dirnlein, deren Lebenswahrheit durch die ihnenschalkhaft aufgesetzten Fastnachts-Kronen und Heiligenscheineaus Goldpapier nicht im Mindesten beeinträchtigt wird, und derfranzösische Realist, der uns in Pariser Leben und unter Pariser-Menschen versetzen will, läßt vor unseren Augen unsleischliche,aus Zigarrenqualm, Sumpfnebel und Nhumflamme gewobeneSchemen wallen, die dadurch nicht wirklicher werden, daß erihnen eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Engländer in seinemGehrock und einer hysterischen Dame in spitzenbesetztem Negligeanzuzaubern sucht. Der Märchendichter ist im Sinne der obigenErklärung der Realist, der Sittenroman-Verfasser Goncourt derJdealist mit erschwerendsten Umständen.

Von welcher Seite wir uns auch dem angeblichen Realis-mus nähern, wir bekommen niemals einen Begriff zu sehen,sondern immer nur ein leeres Wort. Alle Untersuchungs-Methoden führen uns zu demselben Ergebniß: es gibt in derDichtung keinen Realismus, das heißt eine unpersönliche, sach-liche Abschrift der Wirklichkeit, es gibt nur verschiedene Dichter-Persönlichkeiten. Die Individualität des Dichters ist das alleinEntscheidende; der eine empfängt aus der Welterscheinung, derandere aus seinen inneren organischen Vorgängen die Emotionen,die ihn zum Schaffen anregen; der eine ist zur Aufmerksamkeit