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Die Jch-Sucht.
den Wortführer ihrer gesunden Empörung gegen den Staatals Vergewaltiger selbstständiger Geister und als Zerreiberstarker Charaktere zu finden. Sie begehen denselben Jrrthum,den ich schon bei den gutgläubigen Anhängern der Decadentenund Ibsens nachgewiesen habe, sie sehen nicht, daß Nietzscheden bewußten Menschen mit dem unbewußten verwechselt, daßdas Individuum, für welches er volle Freiheit fordert, nichtdas erkennende und urtheilende, sondern das blind gierende,um jeden Preis Stillung lüsterner Triebe heischende, daß esnicht das sittliche, sondern das sinnliche ist.
Endlich hat auch seine Vornehmthuerei seinen Troß ver-mehrt. Manche von denen, die ihm nachziehen, verwerfenseine Sittenlehre, begeistern sich aber für Redensarten wie diese:„Es könnte einmal kommen, daß der Pöbel Herr würde. . .Darum, oh meine Brüder, bedarf es eines neuen Adels, derallem Pöbel und allem Gewalt-Herrischen Widersacher ist undauf neue Tafeln neu das Wort schreibt: ,Adel."")
Die Einsicht ist heute weit verbreitet, daß die Gleichheits-Schwärmerei ein schwerer Jrrthum der großen Umwälzung war.Man sträubt sich mit Recht gegen eine Lehre, die allenNaturgesetzen zuwiderläuft. Die Menschheit bedarf einer Rang-ordnung. Sie muß Führer und Vorbilder haben. Sie kanneines Adels nicht entbehren. Aber der Edle, dem die Menschen-herde den Platz an der Spitze eiuräumt, wird sicherlich nichtder „Uebermensch" Nietzsches sein, der Ichsüchtige, der Ver-brecher, der Räuber, der Sklave seiner tollgewordenen Triebe,sondern der Mensch des reichern Wissens, der höhern Erkennt-niß, des klarem Urtheils und der festem Selbstbeherrschung.Das Dasein der Menschheit ist ein Kampf, den sie nicht gutohne Feldherm führen kann. So lange der Kampf ein solcherder Menschen gegen die Menschen ist, verlangt die Herde einenmuskelstarken und hiebgewandten Hirten. In einem voll-
') »Also sprach Zarathustra», 3. Th. S. 74.