Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
341
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V. Friedrich Nietzsche.

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In der Form läßt Nietzsches Denken die zwei kennzeichnen-den Eigenthümlichkeitcn der Tobsucht erkennen: das Allein-herrschen der von keiner Aufmerksamkeit, keiner Folgerichtigkeit,keinem Urtheil überwachten und gezügelten Jdeen-Assoziationund die schwindelige Schnelligkeit des Ablaufs der Denkoorgänge.

Sowie in seinem Geiste irgend eine Vorstellung auftaucht,zieht sie sofort alle ihr verwandten Vorstellungen mit ins Be-wußtsein und so wirft Nietzsche mit fliegender Hand fünf, sechs,oft acht Synonyme aufs Papier, ohne zu merken, wie entsetz-lich überladen und schwülstig seine Schreibweise dadurch wird:Die Stärke eines Geistes bemißt sich danach, . . . bis zuwelchem Grade er die Wahrheit verdünnt, verhüllt, versüßt,verdumpft, verfälscht nöthig hatte."Wir vermeinen, daßHärte, Gewaltsamkeit, Sklaverei, Gefahr auf der Gasse undim Herzen, Verborgenheit, Stoicismus, Versucherkunst undTeufelei jeder Art, daß alles Böse, Furchtbare, Tyrannische,Naubthier- und Schlaugenhafte am Menschen so gut zur Er-höhung der Spezies Menscksi dient als sein Gegensatz."Erweiß, ... an was für erbärmlichen Dingen ein Werdendeshöchsten Ranges bisher gewöhnlich zerbrach, abbrach, absank,erbärmlich ward."Im Menschen ist Stoff, Bruchstück, Ueber-fluß, Lehm, Koth, Unsinn, Chaos; aber im Menschen ist auchSchöpfer, Bildner, Hammer-Härte, Zuschauer-Göttlichkeit undsiebenter Tag. . . Dem, was geformt, gebrochen, geschmiedet,gerissen, gebrannt, geglüht, geläutert werden muß."Es klängeartiger, wenn man uns . . . eine ausschweifende Redlichkeitnachsagte, nachraunte, nachrühmte."Speie auf die Stadt, . . .wo alles Anbrüchige, Anrüchige, Lüsterne, Düstere, Uebermürbe,Geschwürige, Verschwörerische zusammenschwärt."Wir ahnen,daß es immer abwärts geht, ins Dünnere, Gutmüthigere,Klügere, Behaglichere, Mittelmäßigere, Gleichgiltigere, Chi-nesischere, Christlichere."Alle diese blassen Atheisten, Anti-