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Die Jch-Sucht.
Sadismus. Und hier will ich eine allgemeine Bemerkungmachen, bei der ich nicht lang verweilen will, die ich aber derganz besondern Aufmerksamkeit des Lesers empfehlen möchte.An dem Erfolg ungesunder Richtungen in Kunst und Schrift-thum hat keine Eigenschaft ihrer Urheber einen so großen undbestimmenden Antheil wie deren Sexual-Psychopathie. Alleaus dem Gleichgewicht Gerathenen: die Neurastheniker, Hysteriker,Entarteten, Gestörten, haben die feinste Witterung für Per-versionen geschlechtlicher Art und fühlen sie hinter allen Ver-kleidungen heraus. Sie wissen allerdings in der Regel selbstnicht, was ihnen an gewissen Werken und Künstlern gefälltaber die Untersuchung deckt in dem Gegenstand ihrer Vorliebeimmer eine verhüllte Kundgebung irgend einer I^ebopLtlliusexnulis auf. Der Masochismus Wagners und Ibsens, dasSkoptzenthum Tolstois, die Erotomanie („keuscher Liebeswahn-sinn") der Präraphacliten, der Sadismus der Diaboliker, De-cadenten und Nietzsches werben diesen Schriftstellern undRichtungen unzweifelhaft einen großen, und jedenfalls den auf-richtigsten und fanatischsten, Theil ihrer Gemeinde. Die sexual-psychopathischen Werke erregen die schlummernde und unbewußte,vielleicht auch unentwickelte, obschon im Keime vorhandene,gleichartige Perversion bei den Anormalen und geben ihnenstarke Lustgefühle, die sie, meist in gutem Glauben, für reinästhetische oder geistige halten, während sie thatsächlich geschlecht-liche sind. Im Lichte dieser Erklärung werden die bezeichnen-den künstlerischen Neigungen der Anormalen, für welche Be-weise vorliegen/) erst voll verständlich. Auffallend ist die Ver-
Krafft-Ebing, Neue Forschungen u. s. w. S. 108. (Ein Sexual-Psychopath schreibt:) „Ich interessire mich sehr für Kunst und Literatur.Unter den Dichtern und Schriftstellern ziehen mich am meisten die-jenigen an, welche raffinirte Gefühle, eigenthümliche Leidenschaften, aus-gesuchte Eindrücke beschreiben; ein gekünstelter (oder überkünstelter)Stil gefällt mir. Ebenso in der Musik ist mir die nervöse, aufreizende