V. Friedrich Nietzsche.
325
sich in Gedanken-Schwelgerei. Ich möchte bei diesem wider-lichen Gegenstände nicht allzu lange verweilen, will also nureine ganz kleine Anzahl von Belegstellen anführen, welche zeigen,daß in Nietzsches Denken Bilder der Grausamkeit ohne Aus-nahme von Vorstellungen wollüstiger Art begleitet und unter-strichen werden: „Die prachtvolle nach Beute und Sieg lüsternschweifende blonde Bestie." (Zur Gen. d. M. S. 21.) „DasWohlgefühl, seine Macht an einem Machtlosen unbedenklichauslassen zu dürfen, die Wollust, ,lls tnirs 1s mal ponr leplnisir äs Io kniro/ der Genuß in der Vergewaltigung."(Ebendas. S. 51.) „Treibt es, wie ihr wollt, ihr Ueber-müthigen, brüllt vor Lust und Bosheit." (Die fröhl. WisstS. 226.) „Der Pfad zum eigenen Himmel geht immer durchdie Wollust der eigenen Hölle." (Ebendas. S. 249.) „Wiekommt es nun, daß ich noch Niemand begegnet bin . . . derdie Moral als Problem und dies Problem als seine persönlicheNoth, Qual, Wollust, Leidenschaft kannte?" (Ebendas. S. 264.)„Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungen ist es ihmbisher am wohlsten geworden auf Erden; und als er sich dieHölle erfand, siehe, da war das sein Himmel auf Erden.Wenn der große Mensch schreit—: flugs läuft der kleine hin-zu; und die Zunge hängt ihm aus dem Halse vor Lüstern-heit." (Also sprach Zarath. 3. Th. S. 96.) U. s. w. Ichbitte den nicht fachmännischen Leser, auf die Gesellung derunterstrichenen Worte mit denen, welche Böses ausdrücken,ganz besonders zu achten. Diese Gesellung ist weder zufällignoch willkürlich. Sie ist eine psychische Nothwendigkeit, dennin Nietzsches Bewußtsein kann kein Bild von Bosheit und Ver-brechen auftauchen, ohne ihn geschlechtlich zu erregen, und erkann keine geschlechtliche Erregung empfinden, ohne daß sofortein Bild von Gewaltthat und Blut in seinem Bewußtseinerscheint.
Die wirkliche Duelle der Lehre Nietzsches ist also sein