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Die Jch-Sucht.
Or. Türck hat Recht, wenn er bei Nietzsche angeborenesittliche Verirrung, die Umkehr der gesunden Triebe in ihrGegentheil, annimmt. Er begeht aber in der Deutung derEinzelerscheinungen, in denen die Verirrung sich kundgibt, einenJrrthum, der sich daraus erklärt, daß Or. Türck anscheinendmit der Jrrenheilkunde nicht tiefer vertraut ist. Er nimmtan, daß in Nietzsches Geiste die bösen Triebe mit den ihmdurch Erziehung beigebrachten besseren Anschauungen einenharten Kampf kämpfen und daß er die Unterdrückung seinerTriebe durch das Urtheil als Schmerz empfindet. Das istschwerlich der Sachverhalt. Nietzsche braucht nicht nothwendiger-weise den Wunsch zu haben, Morde und andere Verbrechen zubegehen. Nicht jeder Verirrte („Perverse") steht unter Zwangs-Antrieben. Die Perversion kann ausschließlich auf die Deuk-thätigkeit beschränkt sein und sich ganz und gar in VorstellungenGenüge thun. Ein Verirrter dieser Art kommt gar nicht aufden Gedanken, seine Vorstellungen in Handlungen umzusetzen.Seine Störung greift nicht auf die Willens- und Bewegungs-Zentren über, sondern treibt blos innerhalb der gedanken-bildenden Zentren ihr unheimliches Wesen. Wir kennen z. B.Formen geschlechtlicher Verirrung, in welchen die Kranken nie-mals den Drang empfinden, sich durch Handlungen zu be-friedigen, sondern blos im Geiste schwelgen Diese erstaunlicheTrennung des natürlichen Zusammenhanges zwischen Vorstellungund Bewegung, zwischen Gedanken und Thal, diese Loslösung
') B. Ball, kolis örotigns. Paris, 1888. S. 51: „In derkeuschen Liebe" (dem Liebeswahnsinn oder der „Erotomanie" Esguirols)„bleiben die größten Extravaganzen in die Schranken des Gefühlseingeschlossen, ohne jemals durch die Dazwischenkunft der Sinne ent-weiht zu werden: ich habe schon Beispiele dieses Deliriums gezeigt,in welchen es bis zu den äußersten Grenzen der Verrücktheit getriebenwar, ohne daß sich jemals ein Gedanke darein mischte, der dem Ge-biete der platonischen Liebe fremd war."