V. Friedrich Nietzsche.
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Inständigkeit ins Gesicht schlägt." (Die Stützen der Gesellschaft,S. 52 und 86.)
Dem Ursprung einer der „originellsten" von NietzschesLehren, nämlich der Deutung des Gewissens als einer Befrie-digung des Grausamkeitstriebes durch innere Selbstzersleischung,ist bereits Or. Hermann Türck in einer vortrefflichen kleinenSchrift nachgegangen. Er erkennt ganz richtig am Grundedieses irrsinnigen Einfalls den Krankheitszustand der sittlichenVerirrung und fährt fort:')
„Denken wir uns nun euren derartigen Menschen mit angeborenenMordinstinkten oder überhaupt mit ,Anomalien oder Perversität dersittlichen Gefühls (Mendel) zugleich sehr begabt, mit bester Schulungund vorzüglicher Erziehung in angenehmen Verhältnissen und unterder sorgfältigen . . . Pflege von Frauen ausgewachsen . . . und schonfrühzeitig in eine hervorragende gesellschaftliche Stellung gebracht, soist es klar, daß die besseren sittlichen Triebe eine solche Stärke gewinnenmüssen, daß sie die bestienhafte Zerstörungslust in das tiefste Innerezurückzudrängen und vollständig zu zügeln vermögen, ohne sie dochganz und gar ertödten zu können. Sie vermag sich allerdings nichtin Thaten zu äußern, aber der Trieb bleibt, da er angeboren ist, be-stehen als ein irn innersten Herzen gehegter unerfüllter Wunsch, . . .als eine Sehnsucht, sich . . . seiner grausamen Wollust hinzugeben.Jede Nichtbefriedigung eines . . . stark ausgeprägten Triebes aber hatSchmerz und innere Qual zur Folge. Nun ssind wir Menschen sehrgeneigt, das, wozu wir entschieden Lust haben, auch für naturgemäßgut und gerechtfertigt zu halten, und umgekehrt das, was uns Schmerzbereitet, als schlecht und widernatürlich zu verwerfen. So kann eskommen, daß ein geistreicher, hochgebildeter Mensch, der mit perversenInstinkten . . . geboren ist und die Nichtbefriedigung des . . . Triebesals . . . Qual empfindet, auf den Gedanken verfällt, die Mordlust,die äußerste Selbstsucht... als etwas Gutes, Schönes und Natur-gemäßes zu rechtfertigen, die entgegenstehenden besseren sittlichen Triebeaber, die sich in uns als das zeigen, was wir Gewissen nennen, alskrankhafte Verirrung zu bezeichnen."
Z I)r. Hermann Türck, Fr. Nietzsche und seine philosophischenIrrwege. Zweite Auflage. Dresden, I8bl. S. 7.
Nord au, Entartung. II.
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