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Die Jch-Sucht.
der Moral Etwas zu verlautbaren, gab mir ein klares, sauberes undkluges, auch altkluges" (!) „Büchlein, in welchem mir eine umgekehrteund perverse Art von genealogischen Hypothesen, ihre eigentlich eng-lische Art, zum ersten Male deutlich entgegentrat, und das mich an-zog — mit jener Anziehungskraft, die alles Entgegengesetzte, allesAntipodische hat. Der Titel des Büchleins war .Der Ursprung dermoralischen Empfindungen*; sein Verfasser Or. Paul Röe; das Jahrseines Erscheinens 1877. Vielleicht habe ich niemals Etwas gelesen,zu dem ich dermaßen Satz für Satz, Schluß für Schluß, bei mir Neingesagt hätte wie zu diesem Buche: doch ganz ohne Verdruß und Un-geduld. In dem vorher bezeichnten Werke, an dem ich damals ar-beitete" („Menschliches Allzumenschliches") „nahm ich gelegentlich undungelegentlich auf die Sätze jenes Buches Bezug, nicht indem ich siewiderlegte — was habe ich mit Widerlegungen zu schaffen! — sondernwie es einein positiven Geiste zukommt, an Stelle des Unwahrscheinlichendas Wahrscheinlichere setzend, unter Umständen an Stelle eines Jrr-thums einen andern." (Zur Genealogie der Moral, S. VII.)
Hier hat der Leser dm Schlüssel zur „Originalität"Nietzsches. Sie besteht in der einfachen, kindlichen Umkehrungeines vernünftigen Gedankenganges. Wenn Nietzsche sich ein-bildet, daß seine wahnsinnigen Leugnungen und Widersprücheihm selbstständig im Kopfe gewachsen sind, so ist er eben dasOpfer einer Selbsttäuschung. Er mag seine Raserei schon imGeiste gehabt haben, ehe er vr. Rees Schrift gelesen hatte.Aber dann war sie als Widerspruch zu anderen Schriften ent-standen, ohne daß er sich dieses Ursprunges so klar bewußtgeworden wäre wie nach dem Lesen der Räeschen Arbeit.Treibt er doch die Selbsttäuschung bis zu der unglaublichenHöhe, sich einen „positiven Geist" zu nennen, nachdem er ebenoffenherzig bekannt hat, wie er es macht: daß er nämlich nicht„widerlegt", — das sollte ihm auch schwer geworden sein! —sondern daß er „zu jedem Satz und jedem Schluß Nein sagt"!
Diese Erklärung des Ursprungs seiner „eigenartigen"Moralphilosophie schließt eine Diagnose in sich, die sich selbstdem kurzsichtigsten Auge geradezu aufdrüngt: Nietzsches Systemist eine Ausgeburt des Widerspruchswahnsinns, welcher die tob-