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2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

schütteln als Vorspiel, Begleitung und Schluß. Uebrigens istes in hohem Grade bezeichnend, daß derselbe Drachentödter,der mit solchen Bramarbas-Geberden und Schnarchtönen derHerausforderung gegen „die Wahrheit" angeht, Demuthslauteunterthänigster Entschuldigung findet, wenn er sich unterfängt,Goethes Vollkommenheit in allen Stücken ganz leise anzu-zweiseln. Von der „Schwerflüssigkeit" und „Langweiligkeit"des deutschen Stils sprechend, sagt er (Jens. v. G. u. B.S. 39): „Man vergebe mir die Thatsache, daß selbst GoethesProsa, in ihrer Mischung von Steifheit und Zierlichkeit, keineAusnahme macht." Wenn er an Goethe eine ganz schüchterneKritik übt, bittet er um Vergebung; seine todesverachtendeHeldenhaltung hat er nur, wenn er Sittlichkeit und Wahrheitin die Schranken fordert. Das macht, dieser „Furchtlose" hatdie bei Gestörten oft beobachtete Schlauheit, recht gut zu be-greifen, daß es für ihn ganz ungefährlich ist, den Schwach-köpfen, die seine Gemeinde bilden, den fabelhaftesten philo-sophischen Widersinn vorzuschwatzen, daß sie dagegen sofortwürden empfindlich werden, wenn er gegen ihre ästhetischenUeberzeugungen oder Vorurtheile anstoßen würde.

Selbst im Allereinzelnsten überrascht Nietzsche durch seinewortwörtliche Uebereinstimmung mit den anderen Ichsüchtigen,die wir kennen gelernt haben. Man vergleiche z. B. den Satz,in welchem er „das eigentlich Vornehme an Werken undMenschen, ihren Augenblick glatten Meeres und halkyonischerSelbstgenügsamkeit, das Goldene und Kalte" rühmt (Jens,v. G. u. B. S. 168), mit Baudelaires Preis der Unbeweg-lichkeit und seiner verzückten Schilderung einer metallenen Land-schaft, oder die Bemerkungen des Esseintes und die Seitenhiebe,die Ibsen seine Gestalten gegen die Zeitungen führen läßt, mitdem beständigen Schimpfen Nietzsches aus die Zeitungen. Die„großen asketischen Geister" haben „eine Scheu vor Lärm, Ver-ehrung, Zeitung." (Zur Gen. d. M. S. 113.) Die Ursache