V. Friedrich Nietzsche.
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Aehnlichkeit, nicht wahr? Ganz gleichlautende Sätze aus Huys-mans rodonr^ und aus Ibsen hier nochmals anzusührenversage ich mir, um nicht zu breit zu werden. Dabei ist esnicht zweifelhaft, daß Nietzsche die französischen Decadenten undenglischen Aestheten, mit denen er sich so häufig begegnet, nichtkennen konnte, weil seine Bücher znm Theil älter sind als dieihrigen, und daß sie ebenso wenig aus ihm geschöpft haben,weil sie, vielleicht mit Ausnahme von Ibsen, bis vor etwa zweiZähren nie auch nur seinen Namen gehört haben dürften. DieAehnlichkeit, ja Gleichheit erklärt sich nicht durch Entlehnungen,sie erklärt sich aus der nämlichen Geistesbeschaffenheit Nietzschesund der anderen ichsüchtigen Entarteten.
Besonders drollig ist Nietzsche anzusehen, wenn er sich derWahrheit gegenüberstellt, um sie für unnöthig zu erklären, jazu leugnen. „Warum nicht lieber Unwahrheit? Und Unge-wißheit? Selbst Unwissenheit?" (Jens. v. G. u. B. S. 3.)„Was sind denn zuletzt die Wahrheiten des Menschen? Essind die unwiderlegbaren Jrrthümer des Menschen." (Diefröhl. Miss. S. 193.) „Wille zur Wahrheit — das könnteein versteckter Wille zum Tode sein." (Ebendas. S. 263.)Den Abschnitt dieses Buches, der sich mit der Frage der Wahr-heit beschäftigt, betitelt er: „Wir Furchtlosen" und setzt ihmals Motto das Wort Turennes vor: „Du zitterst, Leichnam?Du würdest noch sehr viel heftiger zittern, wenn du wüßtest,wohin ich dich führe!" Und welches ist diese fürchterlicheGefahr, in die sich der Furchtlose mit solchen Heldengeberdenbegibt? Die Untersuchung des Wesens und Werthes derWahrheit. Aber diese Untersuchung ist ja das Abc aller ernstenPhilosophie! Und auch die Frage, ob es überhaupt eine ob-jective Wahrheit gibt, ist vor ihm aufgeworfen worden si, frei-lich mit weniger Trompetenblasen, Paukenschlagen und Locken-
') S. das Kapitel „Wo ist die Wahrheit?" meiner „Paradoxe".