Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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313
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V. Friedrich Nietzsche.

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findung auf: er bestreitet nämlich, daß das Treibende in jedemWesen der Wille zur Selbsterhaltung sei; es soll vielmehr derWille zur Macht sein. Diese Hinzufügung ist die reine Kinderei.Bei niederen Lebewesen ist nie ein „Wille zur Macht", immernur ein Wille zur Selbsterhaltung wahrzunehmen ^ und beimMenschen kann dieser angebliche „Wille zur Macht" von jedemAndern als dem „tiefen" Nietzsche auf zwei wohlbekannteWurzeln zurückgeführt werden: auf das Bestreben, alle Organebis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu bethätigen, was mitLustgefühlen verbunden ist, oder sich Vortheile zu verschaffen,welche die Daseinsbedingungen verbessern; das Streben nach Lust-gefühlen und nach besseren Daseinsbedingungen ist aber nichtsAnderes als eine Erscheinungsform des Willens zum Daseinund wer den „Willen zur Macht" für etwas von diesem Ver-schiedenes, ja ihm Entgegengesetztes ansieht, der bezeugt einfachseine Unfähigkeit, den Gedanken des Willens zum Dasein auchnur ein klein wenig über die Länge der Nase hinaus zu ver-folgen. Nietzsches Hauptbeweis für die Verschiedenheit desWillens zur Macht vom Willen zum Dasein ist, daß jener denWollenden oft geradezu zur Verachtung und Gefährdung, jaZerstörung des eigenen Lebens treibt. Dann wäre ja also derganze Kampf ums Dasein, in welchem man fortwährend Ge-fahren besteht, oft genug sie sucht, auch ein Beweis, daß derKämpfende sein Dasein nicht wünscht! Nietzsche wäre allerdingsganz gut fähig, auch dies zu behaupten.

Die Entarteten, die wir bisher kennen gelernt haben, er-klären, daß sie sich um die Natur und ihre Gesetze nicht küm-mern. Nietzsche geht in der Selbstgenügsamkeit nicht so weitwie Rossetti, dem es gleichgiltig ist, ob die Erde sich um dieSonne oder die Sonne um die Erde dreht. Er bekennt offen,daß ihm dies nicht gleichgiltig ist; erbedauert es; es stört ihn,daß die Erde nicht mehr der Weltmittelpunkt und er selbst dieHauptsache der Erde ist. „Seit Kopernikus scheint der Mensch