wünscht und gehofft hat. Die hysterische Närrin aber hälteine flammende Rede gegen die Religion, die Gesetze, die Ge-sellschaft, die an der Charakterschwäche und Lieblosigkeit ihresMannes tief unschuldig sind, und geht ab wie ein weiblicherCoriolan, der die Faust gegen das Vaterland schüttelt. In„Stützen der Gesellschaft" will Bernick seine eigenen Gemein-heiten beichten, leitet sein Geständniß aber mit den Wortenein (S. 102): „Mag Jeder sich selbst prüfen, aus daß wirmit dem heutigen Tage eine neue Zeit beginnen. Die altemit ihrer Schminke, ihrer Heuchelei und Hohlheit, ihrer ver-logenen Wohlanständigkeit und elenden Rücksichtnahme sollgleichsam wie ein Museum vor uns stehen" u. s. w. „SprechenSie für sich, Herr Bernick, sprechen Sie für sich!" möchte mandem alten Schwätzer zurufen, der seinen ganz persönlichen Fallin diesem Sittenpredigerton verallgemeinert. „Ich will von dergroßen Entdeckung sprechen", ruft Stockmann im Volksfeind(S. 73), „die ich in den letzten Tagen gemacht habe — vonder Entdeckung, daß unsere sämmtlichen geistigen Lebensquellenvergiftet sind und unsere ganze bürgerliche Gesellschaft auf dempestschwangern Grunde der Lüge ruht." Das mag an sichrichtig sein, aber nichts von dem, was im Stücke vorgeht, gibtStockmann das Recht, vernünftig zu dieser Schlußfolgerung zugelangen. Selbst in der Republik Platos könnte es Vor-kommen, daß ein einzelner Lump, der übrigens noch dümmerals schlecht ist, sich weigert, eine als vergiftet erkannte Heil-quelle zu reinigen, und nur ein Narr könnte aus dieser eiuenThatsache uud aus dem Verhalten eines Ringes von Spieß-bürgern eines unmöglichen norwegischen Krähwinkels den all-meinen Satz ableiten: „Unsere ganze Gesellschaft ruht auf derLüge." In „Rosmersholm" sagt Brendel (S. 21) in dunkeltiefsinnigem, ahnnngdurchschauertem Prophetenton: „Es ist einesturmbewegte Zeit der Sonnenwende, in der wir athmen."Auch dieser Satz, so richtig er an sich ist, paßt in das Stück
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