IV. Der Jbsenismus.
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„Freiheit", zu der Frau Alving sich „emporarbeiten" will, unddie Männer „leben sich aus", daß Seeoffiziere, die doch sonstnicht zimperlich sind, verschämt die Augen abwenden. Undgerade dort ist die Krankheit des Kammerherrn Alving so ver-breitet, daß alle jungen Tahitier nach Ibsens KrankheitslehreOswalds sein müßten.
Aber das ist eine ständige Gewohnheit Ibsens, die sich in allenseinen Stücken offenbart: er legt seinen Gestalten Effekt-Phrasenvon Volksversammlungs-Rednern niedrigster Gattung in denMund, die mit den Vorgängen des Stückes nicht das Geringstezu thun haben. „Ich weiß gar nicht, was Religion ist", sagtNora im bekannten Abgangs-Auftritt (S. 86), „ich weiß weiternichts, als was Pastor Jakobi sagte, da ich konsirmirt wurde.Er sagte, Religion wäre das und das. Komm' ich aus alledemhier heraus und bin ans mich ganz allein angewiesen, dannwill ich auch diese Frage untersuchen. Ich will sehen, ob esrichtig, was Pastor Jakobi sagte. . . Ich höre ja jetzt auch,daß die Gesetze anders sind, als ich glaubte, aber daß die Ge-setze gut sein sollten, das will mir nicht in den Kopf." Nunhat ihr Fall gar keine Beziehungen zur Religionslehre desPastors Jakobi und zur Güte oder Schlechtigkeit der Gesetze.Kein Gesetz der Welt, es sei gut oder schlecht, kann zugeben,daß ein Kind ohne Vorwissen seines Vaters dessen Namenunter einen Wechsel setze, und alle Gesetze der Welt gestattendem Richter nicht nur, sondern verpflichten ihn, bei jeder straf-baren Handlung nach den Beweggründen zu fragen, obschonIbsen Günther den Blödsinn in den Mund legt (S. 33):„Die Gesetze fragen wenig nach den Beweggründen." Derganze Auftritt, im Hinblick auf den das Stück doch geschriebenwurde, steht wie ein Fremdkörper darin und wächst aus ihmnicht organisch heraus. Wenn Nora ihren Mann verlassenwill, so kann es vernünftiger Weise doch nur geschehen, weilsie entdeckt, daß er sie nicht so hingebend liebt, wie sie ge-