IV. Der Jbsenismus.
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statt." Also: eine „wahre Ehe" hat noch Niemand sein Lebtaggesehen und wenn das Wunder sich doch einmal ereignet, sovollzieht es sich an Herrn Werle und Frau Sörby, an HerrnWerke, der seiner Gattin bekennt, daß er Mädchen verführtund alte Freunde für sich ins Zuchthaus geschickt hat, und anFrau Sörby, die ihrem Mann eröffnet, daß sie früher Ver-hältnisse zu allen möglichen Leuten gehabt hat. Das ist eineschale Nachahmung des Auftritts in Dostojewskis „Raskolnikow",wo der Mörder und die Freudendirne ihre beiden besudelten undgebrochenen Leben nach zerknirschtem Bekenntnisse vereinigen,nur ist das Treibende des Auftrittes seiner düstern Großartigkeitentkleidet und ins Lächerliche und Gemeine herabgezerrt.
Wenn bei Ibsen die Frauen zur Entdeckung gelangen, daßsie nicht in der „wahren Ehe" leben, so wird ihr Gatte plötz-lich ein „fremder Mann" für sie.und sie verlassen ohne Weiteresihr Haus und ihre Kinder, die einen, wie Nora, um „nachihrem Geburtsorte zu gehen, wo es ihr leichter werden wird,auf die eine oder andere Weise ihren Lebensunterhalt zu ver-dienen", die anderen, wie Ellida in der „Frau vom Meere",ohne sich einen Gedanken darüber zu machen, was weiter werdensoll, die dritten, wie Frau Alving in „Gespenster" und FrauElvsted in „Hedda Gabler", um spornstreichs zu einem Ge-liebten zu laufen und sich ihm an den Hals zu werfen. Auchdieser Abgang ist von Ibsen in vorzüglicher Weise parodirtworden, und zwar doppelt grotesk, weil die lächerliche Rolle destragischen Durchgängers einem Manne zugetheilt ist. „Ichmuß hinaus," deklamirt Hjalmar („Wildente", S. 100) „inden Sturm und das Schneegestöber — von Haus zu Hausgehen und Obdach suchen für Vater und mich." Und er gehtwirklich, aber natürlich nur, um am nächsten Tag mit ge-sunkenem Hahnenkamm heimzukommen und herzhaft zu früh-stücken. Man braucht gegen den Blödsinn der hochtrabendenNora-Abgänge, die das Evangelium aller Hysteriker beider Ge-