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2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

glaubt an seinen eigenen Schwindel. Freilich nur meistens.Nicht immer. Ab und zu, wie in der „Wildente", erkennt erseine Verirrung und geißelt sie und seine innerste Empfindungist von seiner Selbsttäuschungs-Phrase willensschwacher Ent-arteter so wenig beeinflußt, daß er unwillkürlich und unbewußtin allen seinen Erfindungen seinen tiefen Abscheu vor denMenschen verräth, die „ihrem eigenen Gesetze gehorchen, um sichauszuleben". Er bestraft den Kammerherrn Alving in seinemSohn und läßt ihn von seiner Witwe verwünschen, weil er„sich ausgelebt" hat. Er rechnet es dem Konsul Bernick, demKaufmann Werle als Verbrechen an, daß sie „sich ausgelebt"haben, jener, indem er seinen Schwager Johann für sich opferteund mit Frau Dorff fensterlte, dieser, indem er seine Schuldauf Ekdal abwälzte und Gina verführte. Er umgibt die ver-herrlichten Häupter von Nosmer und Rebekka mit einemHeiligenschein, weil sie nicht „sich auslebten", sondern imGegentheil „sich ausstarben", wenn man mir den Ausdruck ge-statten will, weil sie nicht „dem eigenen Gesetze" gehorchten,sondern dem Gesetze der Anderen, dem allgemeinen Sitten-gesetze, das sie vernichtete. So oft eine seiner Personen imSinne seiner Lehre handelte und that, was ihr angenehm war,ohne sich an Sitte und Gesetz zu kehren, empfindet sie solcheZerknirschung und Selbstqual, daß sie nicht ruhig und frohwerden kann, ehe sie durch Beichte und Buße ihr Gewissenentlastet hat.

Das „Sichausleben" tritt bei Ibsen auch in der Gestalteines schroffen Individualismus auf. Das Ich ist das einzigeWirkliche, daß Ich muß gepflegt und entfaltet werden, wie diesja auch Barrös, unabhängig von Ibsen, predigt. Die erstePflicht eines jeden Menschenwesens ist, seinem Ich gerecht zuwerden, dessen Ansprüche zu befriedigen, ihm jede Rücksicht aufAndere zu opfern. Als Nora ihren Mann verlassen will, ruftdieser (S. 85): „Bedenkst du nicht, was die Leute dazu sagen