Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
197
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IV. Der JbsenismuS.

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Linden. Deuteten Sie nicht vorhin an, mit mir hätten Sieein Anderer werden können? Günther. Davon bin ich sogarüberzeugt. Frau Linden. Sollt' es nicht noch jetzt geschehenkönnen? Günther. Christine!... Das sagen Sie mit vollerUebcrlegung!... Fr. Linden. Ich bedarf Jemandes, für denich leben kann; und Ihre Kinder bedürfen einer Mutter."Hier ist das Motiv nicht bis zur Unkenntlichkeit verkleidet.Günther ist ein Schuldiger und Geächteter. Wenn Frau Lindenihm anbietet, für ihn zu leben, so ist dies zwar hauptsächlichBemutterungs-Trieb, es klingt aber auch der mystische Gedankeder Erlösung des Sünders durch selbstlose Liebe in diesesnatürliche Gefühl herein. In der „Frau vom Meer" willEllida wieder nach ihrem Meer-Ort Skjoldvik zurückgehen,weil sie in Wangels Hause nichts zu thun zu haben glaubt.Bei der Ankündigung ihres Entschlusses zeigt ihre StieftochterHilde tiefe Verzweiflung. Jetzt erst erfährt Ellida, daß Hildein Liebe an ihr hängt, da geht ihr der Gedanke auf, daß siefür Jemand leben könne, und sie sagt träumend (S. 81): „Ah!Sollte hier eine Aufgabe für mich sein?" In „Nosmersholm"sagt Rebekka zu Kroll (S. 9): „Ich bleibe gern hier, wennHerr Rosmer findet, daß ich etwas zu seinem Wohlergehen bei-tragen kann. Kroll (sie ergriffen anblickend). In der That —es ist etwas Erhabenes um ein Weib, das Anderen seine ganzeJugend zum Opfer bringt. Rebekka. Ach, wofür hätte ichdenn sonst leben sollen!" In „Stützen der Gesellschaft" be-wegen sich zwei dieser rührenden Opfer-Seelen, Frl. MarthaBernick und Frl. Hessel. Frl. Bernick hat Diua, die Fruchteines Ehebruchs, erzogen und ihr das eigene Leben gewidmet.(S. 49: „Frl. Bernick... Ich bin dem armen Kind eineMutter gewesen, habe es erzogen, so gut ichs konnte. Johann.Und darum dein ganzes Leben fortgeworfen — Frl. Bernick.Es ist nicht fortgeworfen.") Sie liebt Johann, da sie abersieht, daß er sich zu Dina hingezogen fühlt, vereinigt sie die