Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

sogar Weib und Kindern gegenüber die Maske anlegen muß."Nicht die Schuld ist ihm das große Nebel, sondern deren Ver-heimlichung, und ihre eigentliche Sühnung besteht imoffenenBekennen", das heißt in der Beichte. In demselben Stückbeichtet Frau Linden ohne jeden äußern Zwang, nur deminnern Antrieb gehorchend (S. 67):Auch ich habe Schiffbruchgelitten. .. Ich hatte keine andre Wahl" und entwickelt später(S. 69) wieder die Theorie der Beichte:Helmer muß Alleserfahren; dies unglückselige Geheimniß muß an den Tag;zwischen den beiden muß es zu einer offnen Auseinandersetzungkommen; bei diesen Ausflüchten und Verheimlichungen kann esunmöglich bleiben."

InStützen der Gesellschaft" fordert Frl. Hessel mitdiesen Worten die Beichte (S. 66):Da lebst du hier, dererste Mann der Stadt, in Freud' und Herrlichkeit, in Machtund Ehre, du, der einem Unschuldigen das Verbrecherzeichenauf die Stirn gedrückt hat! Bernick. Glaubst du, ich fühlemein Unrecht gegen ihn nicht tief genug? Glaubst du, ich seinicht bereit, es wieder gut zu machen? Frl. Hessel. Wodurch?Durch ein offenes Bekenntniß? Bernick. Und das könntestdu fordern? Frl. Hessel. Was anderes kann ein solchesUnrecht wieder gut machen?" Und auch Johann sagt (S. 71):In zwei Monaten bin ich wieder hier. Bernick. Und dannwillst du reden? Johann. Dann soll der Schuldige dieSchuld selbst auf sich nehmen." Thatsächlich legt auch Bernickdie geforderte öffentliche Beichte ab, und zwar aus Zer-knirschung, denn als er es thut, sind alle Beweise seiner Schuldvernichtet und er hat von Anderen nichts mehr zu fürchten.Er beichtet in den erbaulichsten Ausdrücken (S. 100 ff.):Ichmuß damit beginnen, das Lob zurückznweisen, mit dem Siemich ... überschüttet haben. Ich habe es nicht verdient, dennich bin bis auf diesen Tag kein uneigennütziger Mann ge-wesen. . . Ich habe keinen Anspruch auf diese Huldigung;