IV. Der Jbsenismus.
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Sinne hätte in Thätigkeit zeigen wollen, so würde er uns dochmindestens ein Beispiel, ein einziges, von der Vererbung guterEigenschaften geboten haben. Ein solches ist aber in allenDramen Ibsens nicht anzutreffen. Was seine Gestalten Gutesan sich haben, kommt ihnen man weiß nicht woher. Geerbthaben sie immer nur das Schlechte. Die süße Hedwig in der„Wildente" wird blind wie ihr Vater Werle. Aber von wemhat sie ihre träumerische, blühende Einbildungskraft und ihrhingebendes, liebendes Herz? Ihr Vater ist ein trockener Selbst-ling und ihre Mutter eine kluge, praktische, gänzlich schwung-lose Kochtopf-Hausfrau! Von den beiden Eltern kann sie alsoihre schönen Eigenthümlichkeiten nicht geerbt haben. Von ihnenhat sie nur ihre Augenkrankheit. Die Erblichkeit ist bei Ibsenimmer nur eine Heimsuchung, eine Strafe für die Sünden derVäter, und eine solche ausschließliche Erblichkeit kennt die Natur-wissenschaft nicht, nur die Theologie kennt sie, sie ist eben dieErbsünde.
Das zweite theologische Motiv Ibsens ist die Beichte; fastin allen seinen Stücken bildet eine solche das Ziel, zu dem dieganze Handlung hindrängt; nicht etwa ein Schuldgeständniß,zu dem die Umstünde einen geheimen Frevler zwingen, nichtdie unvermeidliche Enthüllung einer verborgenen Missethat,sondern die freiwillige Oeffnung einer verschlossenen Seele, diewollüstig selbstquälerische Aufdeckung eines häßlichen innernSchadens, das reuige „Meine Schuld, meine größte Schuld!"des unter der Wucht seiner Gewissens-Belastung zusammen-brechenden Sünders, der sich demüthigt, der bekennt, um deninnern Frieden zu finden, kurz die echte Beichte, wie die Kirchesie fordert. In „Nora" (S. 37) belehrt Helmer seine Frau:„Mancher kann sich moralisch wieder erheben, wenn er seinVergehen offen bekennt und seine Strafe abbüßt... Denke dirnur, wie ein solcher schuldbewußter Mann überall lügen undheucheln und sich verstellen muß; wie er seinen Nächsten, ja