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Die Jch-Sucht.
Sinnen beherrschen! Euer Wille und Bewußtsein sei wie ein ^Flaum vor dem Sturm eurer Gelüstes — so würden dieBesseren unter seinen Zuhörern vor ihm ausgespieen haben.
Er aber sagte: „Seinen Sinnen gehorchen heißt Charakterhaben. Wer sich von seiner Leidenschaft leiten läßt, der ist eineIndividualität. Der Willensstärke verachtet Zucht und Pflichtund folgt jeder Laune, jeder Verführung, jeder Regung seinesBauches oder seiner sonstigen Organe", und so dargestellt, hattedas Gemeine nicht mehr das Abstoßende an sich, das Miß-trauen erweckt und warnt. Unter dem Namen „Freiheit" und„Selbstbestimmungsrecht" angemeldet, finden Wüstheit undLiederlichkeit leicht in die besten Kreise Znlaß ^und die Ruch--osigkeit, von der man sich abwenden würde, wenn sie als solcheaufträte, scheint ungenügend belehrten Geistern als „Modernität"anziehend und begehrenswerth. Es ist verständlich, daß einErzieher, der die Schulstube in eine Kneipe und ein Freuden-haus verwandelt, Erfolg und Andrang hat. Er läuft freilichGefahr, daß ihn die Eltern todtschlagen, wenn sie dahinterkommen, was er seinen Schülern beibringt, aber die Zöglingewerden sich schwerlich beklagen und bei den Stunden eines soangenehmen Lehrers höchst eifrig sein. Mit ähnlicher Methodewaltete Brandes seines Lehreramtes und das erklärt, daß er aufdie Jugend seines Landes einen Einfluß gewinnen konnte, denihm seine gedankenleeren, endlos schwatzhaften Schriften sonstgewiß nicht verschafft hätten.
Brandes entdeckte in Ibsen Auflehnung gegen das herr-schende Sittengesetz und Verherrlichung der thierischen Triebe,er trompetete ihn also trotz seiner erstaunlichen Vormärzlichkeitsofort als einen „Modernen Geist" aus und empfahl seineWerke augenzwinkernd den wißbegierigen Jünglingen, denen erals innltre äe plaisir dient. Dieser „Moderne", dieser „wissen-schaftlich" genau beobachtende „Realist" ist aber tatsächlich einMystiker und ichsüchtiger Anarchist. Die Zergliederung seiner