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Die Jch-Sucht.
Gebilde der Kunst und die Gleichnisse der Dichter hervorgegangensind. Man kann also sagen, daß jedes Kunstwerk insofernimmer Wahrheit und Wirklichkeit in sich schließt, als es, wennnicht die Außenwelt, doch sicher das Geistesleben des Künstlersabspiegelt.
Von den Sophismen der Aesthetcu hält also, wie wir ge-sehen haben, keins der Kritik Stand. Das Kunstwerk ist sichnicht Selbstzweck, sondern es hat eine individuell organische undeine gesellschaftliche Aufgabe; es steht unter dem Sittengesetze;es muß diesem gehorchen; es hat ans Schätzung nur Anspruch,wenn es sittlich schön und ideal ist; und cs kann gar nichtanders als natürlich und wahr sein, insofern es mindestens derAbdruck einer Persönlichkeit ist, die doch auch zur Natur undWirklichkeit gehört. Das ganze System, das einige irrige oderunvorsichtige Aeußernngen achtunggebietender Denker und Dichterzum Ausgangspunkt nimmt, aber von den Parnassiern undDccadenten in einer Weise ausgestaltet wurde, von der Lessing,Kant und Schiller sich nichts haben träumen lassen, ist nichtsAnderes als der bekannte Versuch, Zwangsantriebe durch nach-träglich hinzuerfundene mehr oder minder einleuchtende Gründezu erklären und zu rechtfertigen. Die Entarteten, welche inFolge ihrer organischen Verirrungen das Widerwärtige undHäßliche, das Laster und Verbrechen zum Inhalte von Werkender bildenden Künste und des Schriftthums machen, verfallennaturgemäß auf die Theorie, daß die Kunst nichts mit Sittlich-keit, Wahrheit und Schönheit gemein habe, denn diese Theoriehat für sie den Werth einer Ausrede. Und muß die über-mäßige Bewerthnng der Knnstthätigkeit an sich, ohne Rücksichtauf den Gehalt ihrer Ergebnisse, dem unübersehbaren Troßder Nachahmer nicht hochwillkommen sein, die nicht aus innermDrange Künste üben, sondern aus dummdreistem Verlangennach der Verehrung, die wirkliche Künstler umgibt; die nichtsEigenes zu sagen haben, keine Emotion, keinen Gedanken, son-